:: Lesezeichen


Lesen bildet und bei der richtigen Auswahl Ihrer Literatur helfen wir Ihnen ab sofort!

Geht es Ihnen auch so. Man steht im Buchladen und die Masse an Dargebotenem erschlägt einen?

Dann lassen Sie sich von uns inspirieren. apollo radio))) Lesezeichen stellt Ihnen Bücher mit kurzer Inhaltsangabe, wichtigen Lesehinweisen sowie Preis- und Verlagsinformationen vor. Freuen Sie sich auf spannende Krimis, interessante Biographien, romantische Liebesgeschichten und vieles mehr. Uns kommt alles unter die Brille und Ihnen zu Ohren.

"100 Jahre Jazz" von Philippe Margotin

„Lassen Sie uns eine Platte von King Oliver oder Louis Armstrong auflegen. Nun schließen wir die Augen und gleiten, getragen von unserer Fantasie und der Magie der Töne, weit zurück, Jahr um Jahr, bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts, in die Straßen von New Orleans, zur Wiege des Jazz (…).“ – so lauten die ersten Zeilen eines Buches, das sich einer Musikrichtung widmet, die vor 100 Jahren von Amerika aus in die Welt kam: der Jazz nämlich – vielleicht der nachhaltigste und originellste Kultur-Beitrag, den die USA der Welt zu geben hatten.

Die Geburtsstunde des Jazz lässt sich exakt auf den 26. Februar 1917 datieren. An diesem Tag wurde in Chicago die erste Jazz-Platte überhaupt aufgenommen: von der „Original Homeland Dixie Jass Band“ im Studio des Plattenlabels Victor Talking Machine Company. Im Delius Klasing Verlag ist ein Buch zum Jubiläum erschienen. Titel: „100 Jahre Jazz“. Untertitel: „Von der Klassik bis zur Moderne: Die größten Stars“. Geschrieben hat es der Franzose Philippe Margotin, der ein großer Liebhaber des Jazz und seiner Protagonisten ist. Mit diesem Band will Margotin an die großen Jazz-Legenden erinnern. Herausgekommen ist ein großformatiges chronologisches Nachschlagewerk, das auf 424 Glanzpapierseiten die Höhepunkte des Jazz übersichtlich zusammenfasst und mit fast 200 ausschließlich schwarz-weißen Fotos eindrucksvoll bebildert.

Das Buch ist in zwei Hauptkapitel gegliedert – analog zu den zwei großen Hauptepochen des Jazz: Da wären zunächst die Anfänge mit dem Hot Jazz von New Orleans, zu denen beispielsweise Louis Armstrongs Musik gehört, gefolgt von der Swing-Ära der großen Bigbands à la Count Basie mit ihren genialen Solisten wie Lionel Hampton. Aber auch die Ursprünge des europäischen Jazz durch Django Reinhardt und Stéphane Grapelli werden im ersten Teil gewürdigt. Der zweite Buchteil widmet sich dann dem Jazz in seiner ganzen Vielfalt, die sich in den späteren Jahren mehr und mehr entwickelte. Beginnend mit den großen Jazz-Diven wie Ella Fitzgerald oder Billie Holiday geht es hier vor allem um die aufregenden Entwicklungen der Nachkriegsjahre, von Bebop über Cool Jazz, Hard Bop und Soul Jazz bis zu den neuesten Klangwelten von Bill Evans bis Esbjörn Sevensson. In jedem der Unterkapitel werden die jeweiligen Stilmerkmale herausgefiltert, neben Künstlerbiografien mit ihren Karrierehöhepunkten und persönlichen Geschichten gestellt und mit den großformatigen Fotos illustriert.

Fehlt eigentlich nur noch die Musik für das vollständige Bildungserlebnis. Aber die kann sich der Leser parallel besorgen – Beispieltitel werden zur Genüge genannt. Fazit: „100 Jahr Jazz“ von Philippe Margotin ist ein Buch für Jazz-Liebhaber ebenso wie für Wissensdurstige, die schon immer mal Ordnung ins scheinbare Chaos der Jazzstile und -Epochen und Ihrer Vertreter bringen wollten. Dieses beachtliche Hardcover-Kompendium kann für die einen wie die anderen eine kostbare Nachschlagefibel werden. Die ist ab sofort zum Preis von 59,90 Euro im Handel erhältlich.

"Negative Moderne – Strukturen der Freiheit und der Sturz ins Nichts" von Sven Hillenkamp

Freiheit ist etwas Wunderbares und Erstrebenswertes. Soweit die gängige Meinung. In der modernen westlichen Welt wird Freiheit weitgehend als gegeben vorausgesetzt und als Gut gehandelt, das es zu schützen gilt. Dass Freiheit durch die damit einhergehende unendliche Zahl der Möglichkeiten auch Schattenseiten hat, ist zwar kein neuer Gedanke, ändert aber nichts an der vorrangig positiven Konnotation des Begriffs. Der Philosoph Sven Hillenkamp ist da etwas anderer Meinung. Schon in seinem Buch „Das Ende der Liebe“ schrieb er über Zwänge, die gerade aus der Freiheit entstehen. In seinem Nachfolge-Buch weitet er den Blick hin zu einer gesamtgesellschaftlichen Betrachtung. „Negative Moderne – Strukturen der Freiheit und der Sturz ins Nichts“ – so lautet der Titel von Sven Hillenkamps neustem Werk.

Wem das zu pessimistisch klingt, dem sei gesagt: Der Begriff „negativ“ ist hier nicht vordergründig als Bewertung im Sinne von „schlecht“ zu verstehen. „Negativ“ meint in dem Fall zuallererst Verneinung, Nicht-Vorhandenes – eben das Nichts, das auch im Untertitel angesprochen wird. Sven Hillenkamp führt den Begriff als Gegenpart zur sogenannten „Positiven Moderne“ ein, die für die Welt der Fülle und Überflutung steht, in der wir unbestritten leben – also zum Beispiel, wenn wir an Konsum- und Medienangebote denken. Aber das ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Zu unserer Welt gehört genauso die Leere, das Nichts. Etwa in Form von schwankendem oder nicht vorhandenem Selbstwertgefühl des Einzelnen, der Unfähigkeit oder Unmöglichkeit zu arbeiten, dem Verschwinden von zeitlichen Strukturen (Hillenkamp spricht da auch von einem „Zeitbrei“, der entsteht), dem Fehlen von Menschen und Bezügen...

Man muss also keine Angst haben, dass es sich hier um ein Buch handelt, das den Leser mit seiner pessimistischen Weltsicht herunterziehen will. Dennoch: "Negative Moderne" ist keine leichte Kost. Sondern ein großer philosophisch-soziologischer Exkurs, der versucht alle Facetten des Themas zu beleuchten und nebenbei eine scharfe Kritik der gängigen Sozialtheorien abliefert. Denjenigen, die das Interesse und die Ausdauer haben, sich da durchzubeißen, bietet das Buch eine neue Sichtweise auf die typischen Leiden unserer Zeit und ihre Ursachen – jenseits der gängigen Kritik an Kapitalismus, Globalisierung, Medien & Co. Aber auch jenseits jeglicher Ratgeberbücher, die es ja zuhauf gibt, und die uns in der Regel zu mehr Positivität verhelfen wollen.

Sven Hillenkamps neuer Ansatz besteht zunähst darin, sich von den großen philosophischen Ansätzen des 20. Jahrhunderts zu distanzieren, zum Beispiel von Heidegger oder Adorno. Anders als sie will Hillenkamp den Kapitalismus nicht als irgendwie falsch gesteuertes System entlarven, das uns manipuliert. Stattdessen nimmt er bestehende Klischees auseinander und kehrt sie teilweise ins Gegenteil.
Am Beispiel der Idee einer narzisstischen Gesellschaft hieße das, dass die Menschen sich eben doch nicht selbst genügen, denn auch wer zu Hause allein vor dem Spiegel posiert, träumt letztlich davon, von vielen Menschen bewundert und geliebt zu werden. Hillenkamp meint, nicht der Kapitalismus oder die Gesellschaft an sich sind schuld, sondern es sind die Menschen selbst, die sagen: 'Ich bin nichts wert. Ich habe noch nichts erreicht. Ich bin ein Niemand. Ich bin nicht attraktiv, nicht liebenswert usw.

Das Thema der Wertverleihung ist so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt des Buches, das feststellt: Der Eigenwert des Menschen ist heutzutage viel verschwommener. Denn wo früher beispielsweise klar war, dass der Sohn eines Arztes mit großer Wahrscheinlichkeit selbst auch Arzt wird, muss heute jeder seinen eigenen Lebenssinn finden. Das ist Freiheit. Gleichzeitig sehnen wir uns aber nach jemandem, der uns für das, was wir tun, liebt und schätzt. So irren wir umher auf der Suche nach Wertschätzung von anderen Menschen. Und dieser Wert kann uns genauso schnell verliehen wie entzogen werden. Ein lebenslang gültiges Siegel gibt es nicht mehr.

Sven Hillenkamp entlarvt diese Entwicklung als eine Art Fluch der Freiheit. Bereits in seinem Buch von 2009 hat er heutige westliche Lebensverhältnisse analysiert und dabei das "Ende der Liebe" verkündet. Zur individuellen Freiheit gehört ein unendliches Angebot von Möglichkeiten. In der Liebe heißt das, dass die Entscheidung für EINEN Liebespartner immer weiter hinausgezögert wird und immer neue Partnerschaftsmodelle auftauchen. Doch die Unendlichkeit der Möglichkeiten ist letztlich in allen Bereichen des modernen Lebens zu finden: bei der Arbeit, der Freizeitgestaltung usw. Wenn ich aber unendlich viele Möglichkeiten habe und die anderen genauso, kann ich mich am Ende nur ungenügend fühlen, denn so sehr ich mich auch anstrenge: Es wird immer etwas geben, das ich nicht erreichen kann bzw. das andere besser können als ich. Daraus entstehen dann Schuld- und Schamgefühle. Auf diese Weise, meint der Autor, erzeugt Freiheit paradoxerweise Zwänge, setzt die Menschen unter Druck. Er nennt das auch die zersetzende Kraft der Freiheit.

Trotzdem will Hillenkamp nicht etwa in eine andere Zeit zurück. Und er will mit seinem Buch auch keine Lösung anbieten. Im Gegenteil: Er meint, genau das sei Teil des Problems. Dass wir glauben, es gäbe für alles eine Lösung, ohne zu merken, dass da wir uns da schon wieder in einer Unendlichkeitsschleife verheddern. Schließlich gibt es unendlich viele Handlungs-, Therapie- und Denkoptionen, und wir meinen, nur die richtige finden zu müssen. Dennoch hält das Buch, wenn man es so lesen will, eine gute Nachricht parat: Sich die Mechanismen bewusst zu machen, die hinter den Zwängen und Leiden stehen, denen wir heute begegnen, heißt auch, dass der Einzelne davon wegkommen kann, die Schuld dafür bei sich selbst zu suchen. So könnten sich Zwänge zumindest zeitweise entspannen.

Der Autor Sven Hillenkamp wurde 1971 in Bonn geboren und lebt jetzt der Liebe wegen in Stockholm. Er ist Philosoph und Sozialforscher, hat seit 2015 einen Lehrauftrag an der Universität der Künste in Berlin. Sein Vorgänger-Band "Das Ende der Liebe" wurde viel diskutiert und auch ausgezeichnet mit dem Brentano-Preis. Dieses und das vorliegende Buch „Negative Moderne“ sind die ersten beiden Teile einer umfassenden soziologisch-philosophischen Untersuchung unter dem Titel "Der freie Mensch", an der Hillenkamp derzeit arbeitet. Mindestens einen weiteren Band soll es dazu noch geben.

Fazit: „Negative Moderne – Strukturen der Freiheit und der Sturz ins Nichts“ von Sven Hillenkamp liefert eine scharfe Gesellschaftsanalyse jenseits der gängigen Sozialtheorien und Sichtweisen und ist Hobbyphilosophen wie Querdenkern gleichermaßen zu empfehlen. Erschienen ist das Buch 2016 bei Klett-Cotta, hat 368 Seiten und kostet 24,95 €.

"Diamant. Legendäre Fahrräder aus Chemnitz" von Ludwig Karsch

Noch heute sind sie häufig im Straßenverkehr zu sehen und vielleicht sind Sie ja selbst mit einem unterwegs: die Fahrräder der Marke Diamant. Was eher unbekannt ist: Diamanträder haben ihren Ursprung in Chemnitz und ihre Produktion reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Nun ist ein Buch über die Geschichte der Diamantfahrräder erschienen. Der Autor Ludwig Karsch ist Vereinsvorsitzender des Museums für sächsische Fahrzeuge Chemnitz und damit per se ein Experte für Fortbewegungsmittel. Er hat auf spannende und unterhaltsame Weise die stolze 130-jährige Geschichte der Fahrradproduktion in Chemnitz und Umgebung zusammengefasst. Die Gründe für die Beschäftigung mit diesem Thema waren für Ludwig Karsch vielfältig:

„Wenn man die Geschichte der Mobilität sich mal anschaut, dann ist das Fahrrad der Ursprung von allem für die Individualmobilität. Erst mit dem Fahrrad konnten die Leute sich frei in der Gegend bewegen. Daher ist der Ursprung der Mobilität, die wir in unserem Museum zeigen, auch das Fahrrad. Ich bin selbst ein Fahrradfreund, sammle auch Diamant-Räder. Da lag einfach die Beschäftigung mit dem Thema Diamant nahe, auch weil es eine lebende Marke ist. Diamant gibt es ja noch, und es ist für jemanden, der sich mit der Historie beschäftigt, besonders schön, wenn er nicht an vergangenem, toten Material arbeitet, sondern es eine Geschichte ist, die sich gerade noch weiter fortsetzt.“

Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen Fahrrad-Boom. Auf diesen sprangen die Gebrüder Nevoigt auf. Und die Fabrik konnte sich durch hohe Qualität und Werbung z.B. im Radrennsport stetig weiterentwickeln. Das Buch von Ludwig Karsch informiert auf eine kurzweilige und interessante Art. Und es erzählt auch von tragikomischen Begebenheiten, wie dem Tod einer der Gebrüder Nevoigt. Ludwig Karsch:

„Man konnte bei Diamant gutes Geld verdienen, aber die Nevoigts haben verlangt, dass genau das gemacht wird, was sie sagen. Und die Zeit bis zum ersten Weltkrieg war von vielen Arbeitskämpfen geprägt. Da ist der 1. Mai natürlich so ein Tag gewesen, wo die Arbeiterschaft für ihre Rechte gekämpft hat. Die Diamantwerker wollten daran teilnehmen. Er hat wohl in der Einfahrt versucht, den Zug zu stoppen und hat gesagt: Leute, bei uns passiert so etwas nicht, ihr geht nicht zu dieser Mai-Demonstration. Darauf gab es eine hitzige Auseinandersetzung, und in deren Folge hat er wohl einen Herzinfakt erlitten, an dem er dann auch verstorben ist.“

Auch die reichhaltige Bebilderung macht die Lektüre zu einer spannenden Zeitreise: Elegant geschwungene Lenker und breite Ledersättel sind beispielsweise zu sehen. Im frühen 20. Jahrhundert unterschieden sich nicht nur die Fahrradmodelle optisch von der heutigen Mode. Auch die Reklame würde heutzutage eher belustigend wirken. Auf einem Werbeplakat aus den Zwanziger Jahren sitzt eine Dame auf einem Rad. Neben der Überschrift „Frauen-Schönheit kommt voll zur Geltung“ ist unter dem Bild zu lesen, dass kein anderes Fahrrad-Erzeugnis frauliche Anmut so dezent aber unvergesslich unterstreicht, wie Diamant. Weiter heißt es: „Frauenschönheit ist der einzige ruhende Pol im rasenden Tempo unserer Zeit. Es wäre unverzeihlich, sie auch nur einen Tag zu vernachlässigen.“

Im Zweiten Weltkrieg, stellten auch die Diamantwerke auf Rüstungsproduktion um und beschäftigten Zwangsarbeiter. Danach drohte der Abtransport der Anlagen als Reparationsleistung für die Sowjetunion. Aber das Werk wurde nur unter sowjetische Aufsicht gestellt. Das Schicksal meinte es gut mit dem Chemnitzer Radhersteller – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal, sagt Ludwig Karsch:

„Wenn man die Diamantgeschichte durchguckt, dann gab es immer mal wieder so einen Punkt, wo Diamant einfach Glück gehabt hat, wo die Umstände günstig waren oder wo es irgendwo eine Lösung gegeben hat, ein kleines Schlupfloch, wo man weiter existieren konnte. Das ist auch der Grund, weshalb es so interessant ist, die Diamantwerke zu untersuchen: Fast kein Industriebetrieb hat über 130 Jahre eine Produktion aufrechterhalten können. Da hat man meistens Brüche drin, oder die die Firma oder die Marke ist ganz verschwunden. Bei Diamant ist es halt immer gut gegangen.“

Auch nach der politischen Wende sicherte ein Glücksfall die Werke, so Karsch weiter:

„Das Diamantwerk hat trotz seines desolaten Außenzustands den Eindruck erweckt, dass man was draus machen könnte. Da gibt es auch eine Studie dazu, wie mit den Augen des westdeutschen Unternehmers das Diamantwerk 1991 bewertet wird. Im Prinzip haben sie dort fast alles »für Null« geschrieben, das heißt es hat ihnen nichts genützt. Aber den Kern, die Marke und die Mitarbeiter, waren ihnen das Engagement wert, und das hat im Endeffekt den Fortbestand gesichert.“

Mehr über die wechselvolle Erfolgsgeschichte der Fahrradproduktion der Marke Diamant können Sie im kurzweiligen und spannenden Buch „Diamant. Legendäre Fahrräder aus Chemnitz“ von Ludwig Karsch erfahren. Eine Lektüre nicht nur für Fahrradfreunde. Erschienen ist der reich bebilderte Band im Sutton-Verlag, hat 119 Seiten und kostet 19,99€.

"Stadtschwärmer Leipzig"

Jung, inspirierend, köstlich, kreativ und herzlich - all das sei Leipzig, meinen die vier jungen Autorinnen des "Stadtschwärmer Leipzig". Genau so wollen sie ihre Heimatstadt auch zeigen, und das gelingt Ihnen bestens. Statt einfach nur Sehenswürdigkeiten zu präsentieren, führt der "Stadtschwärmer" an fast 300 Orte, zu denen sich die Leipziger selbst am liebsten aufmachen. Ob kleine Künstler-Ateliers in Lindenau, gemütliche Cafés in der Südvorstadt, inspirierende Kunstgalerien in Gohlis oder versteckte Werkstätten in Reudnitz. Daher werden in diesem alternativen Reiseführer nicht nur Touristen fündig, sondern selbst Leipziger, die einmal ein anderes Viertel entdecken möchten.

Das Buch unterteilt die Stadt grob in die vier Himmelsrichtungen und ihr Zentrum. Die entsprechenden Kapitel bieten jeweils ausführlich und übersichtlich Informationen in sechs Bereichen: vom "Shopping" über "Kunst & Kultur" bis zum "Übernachten". Und wem das schon zu speziell ist, der kann sich zunächst einen Überblick im einleitenden Kapitel "Impressionen" verschaffen. Alle Empfehlungen sind mit Durchnummerierung und Querverweisen im enthaltenen Kartenmaterial gut auffindbar. Dazu gehört auch ein herausnehmbarer Faltplan. Am Ende des Buches gibt?s als Extra noch englische Kurztexte für internationale Gäste.

Hervorzuheben sind auch die tollen knapp 400 Fotos, die den Reiseführer nicht nur illustrieren, sie vermitteln praktisch das Lebensgefühl, das dieser besondere Reiseführer einfangen will. Geschrieben und konzipiert haben ihn vier junge Damen, die gleichzeitig die Herausgegeber des Buches sind. Außerdem kommen sogenannte "Local Heroes" der Stadt zu Wort, also Menschen aus Leipzig, die ihre ganz persönlichen Tipps beigesteuert haben. So ausgestattet ist der "Stadtschwärmer Leipzig" bestens geeignet, um loszuziehen und die Stadt auf neue Weise zu erkunden. Auf insgesamt 336 Seiten zeigt er die Messestadt jenseits ausgetretener Pfade. Und das kann man sich schon mal 19,90 Euro kosten lassen.

"Totgelacht – Krimikillerkrimis" von Manfred Koch

Krimis müssen nicht immer ernst sein, sondern können den Leser auch zum Lachen bringen. In "Totgelacht – Krimikillerkrimis" zeigt der Autor Manfred Koch genau diese Seite von Kriminalgeschichten, indem er sich in 20 kurzen Texten humorvoll und satirisch mit dem Genre auseinandersetzt. In teilweise recht makabrer Weise werden allerlei verschiedene Verbrechen aufs Korn genommen – von Mord bis Betrug ist alles dabei. Dabei übt sich der österreichische Kabarettist auch in Gesellschaftskritik. Neben seiner Schriftstellertätigkeit engagiert sich Manfred Koch für das Salzburger Kabarett AffrontTheater. Er kann nicht nur Klischees parodieren, sondern kennt sich auch mit spannenden Krimis aus: Er schrieb zwei Kriminalromane: "Hexenspiel" und den Psychothriller "Kaltfront".

Sein neues Buch "Totgelacht" enthält eine Vielfalt von Texten, die sich in unterschiedlicher Weise mit den Klischees auseinandersetzen. Da ist zum Beispiel "Schöner Morden im Norden", ein vom Autor sogenannter "Einrichtungskataloghorrorkürzestkrimi". Darin werden passende Möbel beschrieben, die jeder Mörder aus einem skandinavischen Kriminalroman benötigt, um in die notwendige melancholische Stimmung zu kommen, die diese Art von Krimis ausmacht. Oder in "Die Rache der Vergangenheit" muss der erzählende Bankräuber feststellen, dass er lieber ein oder zwei Fremdsprachen gelernt hätte, damit er auch im Sommerurlaub seiner Tätigkeit nachkommen kann. Denn ohne Sprachkenntnisse hat er letztlich nur Probleme mit der Polizei.

Am Ende des Buches macht sich Manfred Koch noch Gedanken, was wäre, wenn die Polizei eine Telefon-Hotline wie alle anderen hätte. Eine lange Bandansage informiert den Anrufer über seine Möglichkeiten, und wenn dieser will, kann er sogar die Hintergrundmusik auswählen: Je nach Notlage könnte das zum Beispiel "Time To Say Good-bye" oder "Spiel mir das Lied vom Tod" sein.

Alles in allem ist "Totgelacht" von Manfred Koch ein gelungenes Buch, an dem Krimifans und Freunde des schwarzen Humors sicher ihre Freude haben werden. "Totgelacht" von Manfred Koch ist im Styria Verlag erschienen und kostet 12,90 €.

"Die Grammatik der Männer" von Peter Blickle

Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage stellte Herbert Grönemeyer bereits 1984. Heutzutage sehen wir viel häufiger Frauen auf der Suche nach dem perfekten Selbst – sei es durch Mode, Make-up oder soziale Verhaltensnormen wie "mach dich geheimnisvoll" oder "sei bloß nicht zu anhänglich!" Und seien wir ehrlich: Männer dienen in Geschichten oder Filmen meist nur als mysteriöse Hintergrunddarsteller, mal groß und dunkel, mal verantwortlich für unseren Herzschmerz, aber auf jeden Fall stark und selbstsicher. Darüber geraten Sensibilität und Sinnsuche der Männer fast in Vergessenheit.

Deshalb ist es gut, dass es Bücher wie „Die Grammatik der Männer“ von Peter Blickle gibt. Denn darin lernen wir in 19 Lektionen, wie es wirklich im ach so starken Geschlecht aussieht. Um es gleich klarzustellen: Das Buch ist keine Antwort auf kitschige Frauenromane à la Bridget Jones. Klischees von der rauen Schale und dem weichen Kern sucht man darin vergebens. Vielmehr schafft es der Autor, facettenreich einzufangen, wie Männer zu sich selbst finden, wie sie sich dabei häufig Schwächen nicht eingestehen und nicht zuletzt am Leben und den Frauen verzweifeln.

Da ist zum Beispiel dieser 18-Jährige, der nicht weiß, wie er die Sache mit den Mädchen so richtig anpacken soll. Er bemüht sich um Sensibilität, denn das wollen die Frauen doch, richtig? Und am Ende straft sie ihn mit den Worten "Du bist so ein guter Freund". Oder es gibt den Praktikanten im OP, der einen Fehler des Chirurgen bemerkt und mit sich ringt, ob er ihn darauf aufmerksam machen soll. Am Ende stellt sich heraus, dass es kein Fehler war und der Chirurg den Praktikanten nur testen wollte – sein Schweigen wurde also belohnt. Bis zu dieser Auflösung folgt man aber dem Protagonisten so authentisch bis in dessen Seele, dass das Unbehagen fast greifbar ist. Das ist die große Stärke des Buches: Feine, empathische, fast poetisch erzählte Beobachtungen. Sie stehen im krassen Gegensatz zu den Situationen, denen die Figuren begegnen müssen.

Der Autor Peter Blickle ist Jahrgang 1961. Sein Studium der Medizin, Komparatistik und Germanistik ist ins Buch mit eingeflossen. So spielen einige Kapitel im Krankenhaus. Dieses eignet sich als Farbpalette menschlicher Emotionen und Reaktionen generell sehr gut. Mittlerweile arbeitet der preisgekrönte Autor als Professor für Gender and Woman's Studies in den USA – mit Rollen und Geschlechterbildern kennt er sich also bestens aus.

"Die Grammatik der Männer" wird im Untertitel als "Roman in 19 Lektionen" beschrieben. Auch wenn einige Charaktere in mehreren Geschichten vorkommen, sind die Verflechtungen doch zu fein, um einen Roman daraus zu machen. Nichtsdestotrotz ist diese Grammatik, also diese Sprachlehre, ein wundervolles und lange überfälliges Buch. Denn man lernt in leisen und humorvollen Bildern einiges über das Funktionieren der Männerwelt – und das sollte nicht nur für Frauen ziemlich aufschlussreich sein. Am Ende beantwortet der Autor natürlich nicht die Frage, wann ein Mann ein Mann ist. Aber mit "Die Grammatik der Männer" kommt Mann – und Frau – der Antwort doch schon etwas näher.

"Die Grammatik der Männer" ist bei Klöpfer & Meyer erschienen. Das Buch ist auch als E-Book verfügbar, hat 215 Seiten und kostet 20 Euro.

"Slowtime! - Einfach mal anhalten" von Johannes Lauterbach

Wie kann man im stressigen Alltag abschalten und einfach mal loslassen? Diesen Fragen widmet Johannes Lauterbach sein neues Buch. "Slowtime!" – ein Ratgeber in Kurzform – erklärt, wie man sein Leben verlangsamen kann und gibt praktische Tipps zum Entspannen in jeder Lebenssituation. Der Autor kann da aus Erfahrung sprechen: Lauterbach ist 20 Jahre lang als Radiomoderator tätig gewesen und leitete ebenso zahlreiche Seminare zum Thema Stimm- und Entspannungstechnik.

Fakt ist: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hat sich unser Kommunikationstempo um das Zehnmillionenfache erhöht und auch die Reisegeschwindigkeit hat sich verhundertfacht. Ein Großteil der Menschen steht unter Dauerbelastung und arbeitet am Leistungslimit. Das Wissen um Entspannung ist heutzutage abhanden gekommen – sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Bewusstes Entspannen wirkt nicht nur körperlich regenerierend, sondern hat ebenso Auswirkungen auf die geistige Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.

Wer auf der Suche ist nach Impulsen und Hinweisen, die dazu beitragen, das Leben zu entschleunigen, hat mit "Slowtime!" die passende Lektüre gefunden. Für jeden Lebensbereich werden kurze Übungen vorgestellt – sei es im unterwegs Auto, am Schreibtisch im Büro oder auch in der Warteschlange. Lauterbach gibt Tipps zur Aufmerksamkeitslenkung sowie für einen entspannten Atem und körperliche Lockerheit. Das kleine Buch ist übersichtlich gestaltet und gut strukturiert. So laden die kurz und knapp formulierten Übungen dazu ein, direkt umgesetzt zu werden. Besonders für viel sitzende und dauergestresste Workaholics lohnt sich ein Blick in das Buch.

"Slowtime! - Einfach mal anhalten" von Johannes Lauterbach ist im handlichen Taschenformat im Knaur-Verlag erschienen. 128 Seiten kosten 10 Euro.

"Ein neues Leben mit Haut & Haaren" von Ingrid Theißen

Natürliche Schönheit, reine Haut, wundervolle Haare, und das vollkommen ohne Chemie und kostenintensive Behandlungen ? ist dies möglich? Ingrid Theißen meint ja. Sie ist sogenannte Biofriseurin und hat ein Buch geschrieben mit dem Titel "Ein neues Leben mit Haut & Haaren".

In ihrer Praxis hat Ingrid Theißen schon vielen Menschen zu einem neuen Lebensgefühl verholfen. Ganzheitliche Haarbehandlung und Energiearbeit lauten die Zauberwörter. "Ein neues Leben mit Haut & Haaren" ist ein Buch, das sich an alle wendet, die die Zusammenhänge zwischen ihren Haaren und ihrem Wesen erkennen möchten. Die Autorin zeigt, wie Probleme mit der Haut oder den Haaren letztlich auf ein Ungleichgewicht in Körper und Seele hinweisen und zeigt Wege auf, diese Probleme aufzulösen.

Im ersten Teil des Buches berichtet Ingrid Theißen von Erfahrungen mit Kundinnen aus ihrer Praxis. Nach diesen Fallbeispielen folgen in einem zweiten Hauptteil des Buches konkrete Tipps zu verschiedenen Themen und Problemschwerpunkten rund ums Haar. Zwischendurch erklärt die Autorin ihre ganz persönliche Haarphilosophie und der Leser erfährt, was man sich eigentlich genau unter einer Biofriseurin vorstellen kann.

Ingrid Theißens Buch "Ein neues Leben mit Haut & Haaren" ist als Taschenbuch beim Silberschnur-Verlag erschienen, hat 200 Seiten und kostet 14.95 Euro.

"Die Kunst, Küsse zu schreiben. Eine Geschichte des Liebesbriefs" von Dieter Hildebrandt

Willst du mit mir gehen? Ja – nein – vielleicht. Zutreffendes bitte ankreuzen. Einen Zettel mit dieser Aufschrift kennen wir wohl alle. Ob das schon als Liebesbrief zählt, oder ob dafür eine überschäumende Ode nötig ist – darüber lässt sich wohl streiten. Fakt ist aber: Liebesbriefe sind so alt wie die Menschheit. Und aus diesem Grund hat sich der Autor Dieter Hildebrandt auf eine Suche durch die Zeit gemacht. Seine Ergebnisse trägt er im Buch "Die Kunst, Küsse zu schreiben. Eine Geschichte des Liebesbriefs" zusammen.

Dieses Buch nimmt einen mit auf die Reise durch fast 4000 Jahre Geschichte des Liebesbriefes – aber keine Sorge, das ist nicht annähernd so ermüdend, wie man vermuten könnte. Der Autor beschreibt das "Medium Brief" im Wandel der Zeiten, also von Kommunikationsformen wie einer Fackel hin zu Schiefer und Wachstafeln, über Erfindung und Ausbau des Postsystems bis hin zum technischen Fortschritt, wie wir ihn heute kennen.

Somit hat man erst mal die Grundlage für eine Kommunikation. Aber es geht ja um die Liebe! Und die macht bekanntlich redselig, weshalb Liebesbriefe eigentlich schon immer existiert haben. Dieter Hildebrandt nimmt sich viel Zeit, verschiedene Phänomene und Motive zu beleuchten. So darf das biblische Apfelmotiv für die verbotene Liebe nicht fehlen. Auch der Lebensraum Burg im Mittelalter wird erklärt – und wie sich daraus und aus dem Trennungsschmerz durch Heerzüge der Minnesang entwickelte. Versteckte Liebesbeweise in Stadtmauern oder Kellern werden erwähnt, ebenso wie Sonette, diese fast schon musikalischen Gedichte von Petrarca und Shakespeare. Außerdem zeigt der Autor anhand von Luthers Ehebriefen an Katharina von Bora auf, welches moderne und emanzipierte Bild der Reformator von seiner Frau hatte. Und natürlich geht es auch um Goethes Werther, den wohl bekanntesten liebeskranken Briefeschreiber.

Das seien jetzt nur ein paar der zahllosen Aspekte des Liebesbriefs, die der Autor in seinem Buch nennt. Auffällig ist dabei die eingehende Recherche. Dieter Hildebrandt ist Jahrgang 1932 und schreibt vor allem zu Themen der Literatur- und Musikgeschichte. Dabei verfällt er aber keinesfalls in einen drögen Tonfall wie im Geschichtsunterricht, sondern schreibt lebendig, anschaulich und fesselnd. Er nimmt zahllose Beispiele und Originalbriefe zur Hand, um das Thema zu verdeutlichen.

Sich dem Liebesbrief als "Herzensbrücke" auf diese Weise anzunehmen, ist ein lobenswertes Unterfangen – und doch riskant. Denn bei einem so umfangreichen Thema kann ein Buch auch schnell langweilig werden. Das ist bei "Die Kunst, Küsse zu schreiben" nicht der Fall. Man muss das Buch nicht von vorne bis hinten lesen, wird das aber wollen! Oder man sucht sich gezielt Kapitel heraus und liest zum Beispiel nach, wer denn Beethovens Unsterbliche Geliebte war, wie Robert Schumann um Clara Wieck kämpfte oder wie Franz Kafka in seinen Liebesbriefen verzweifelte.

Ob Krieg, Frieden, Not oder Wohlstand – Liebe und Erotik beschäftigen die Menschen immer. Dieter Hildebrandt ist mit seinem Buch "Die Kunst, Küsse zu schreiben" eine außergewöhnliche und gut lesbare Zeitreise gelungen. Und deswegen sei das Buch allen ans Herz gelegt, die historisch interessiert sind oder gerne Neues lernen und sich vielleicht selbst inspirieren lassen wollen. Denn am Ende ist es die Liebe, die uns erfüllt und sich nach der Ewigkeit sehnt. Und durch die wir die Kunst erlernen, Küsse zu schreiben.

Dieter Hildebrandts Buch "Die Kunst, Küsse zu schreiben. Eine Geschichte des Liebesbriefs" ist im Hanser Verlag erschienen. Es hat 367 Seiten und kostet 19,90 Euro.

"Der Kairos" von René Kanzler

Der Autor dieses "Lesezeichens" stammt aus Sachsen. René Kanzler heißt er, und Mitte Juli 2014 erschien sein neues Buch "Der Kairos". Kanzler ist Jahrgang 1990, also ein junger, aufstrebender Autor. Er hat in Erfurt Philosophie und Religionswissenschaft studiert und währenddessen schon bei einigen Lesebühnen in Erfurt mitgewirkt. Derzeit lebt er in seiner Heimatstadt Brandis in der Nähe von Leipzig und promoviert in Philosophie. Die Liebe zur Literatur ist bei ihm unverkennbar.

Nun hat René Kanzler sein zweites Buch veröffentlicht, einen Lyrikband. Allerdings keinen im eigentlichen Sinne. In René Kanzlers Buch wird eine Geschichte erzählt, und die Gedichte sind alle miteinander verknüpft. Der Titel "Der Kairos" klingt erst mal etwas mystisch, der Begriff stammt aus der griechischen Mythologie. Er steht für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung ? wenn man ihn verpasst, ist das fatal. Und eben diesen Kairos-Moment erlebt auch der Protagonist des Buches, nämlich den richtigen Zeitpunkt zum Aufwachen und Ausbrechen.

Grundsätzlich beschäftigt sich das Buch mit der Stadt und damit, was sie mit uns Menschen macht. Dieses Motiv kennt man vor allem aus dem Expressionismus der 20er Jahre. Aber die Stadt als Lebensraum hat seitdem natürlich nicht an Bedeutung verloren und prägt die Menschen immer noch. Der Protagonist des Buches möchte aus dem Trott und der Konformität der Stadt ausbrechen.

Das Buch ist dreigeteilt und beschreibt den Prozess, während dessen sich der Protagonist bewusst wird, dass er ausbrechen muss. Zunächst gibt es eine Art Traumszenario, in dem er in der Stadt lebt. Dann das Erwachen, der Aufbruch, der Kairos-Moment. Und im dritten Teil spricht er zu den Massen und versucht sie zu überzeugen. Seine Hauptkritikpunkte: Die Entfremdung, das Leiden, der Gleichschritt. Der Protagonist hält der Gesellschaft den Spiegel vor und möchte, dass die Menschen nicht nur uninspiriert im Kreis laufen, sondern mitdenken und aufgerüttelt werden. René Kanzler verwendet dafür das Wort "Gleichschrittsittenmenschenwelt", was das Ganze sehr gut widerspiegelt.

Zwar ist das Buch in Lyrikform geschrieben, was den ein oder anderen Leser vielleicht abschreckt. Aber die Sprache an sich ist nicht komplex. Und es ist auch keine Lyrik der Marke "Reim dich oder ich fress dich". Der Autor nutzt die Lyrik, um sehr starke, eindringliche Bilder zu malen. Und wie er dadurch dieses Schreien nach dem großen Wir in der Stadt beschreibt, wo für das Individuum kein Raum bleibt, ist sehr beeindruckend. Es ist moderne, bildhafte, gut lesbare Lyrik ? aber natürlich sollte man ein Faible für diese Art Literatur mitbringen, um die Schönheit des Buches würdigen zu können.

"Der Kairos" ist damit absolut empfehlenswert. Es ist kein Buch für zwischendurch, man sollte sich die Zeit nehmen, damit "Der Kairos" seine Wirkung entfalten kann. So ist es auch vom Autor angeregt. Aber der Band ist auf jeden Fall eine Empfehlung für jeden, dem Lyrik oder die Thematik am Herzen liegt. "Der Kairos" von René Kanzler ist im Freigeist Verlag erschienen und kostet 10,90 Euro.

"Sei nicht abergläubisch, das bringt Unglück" von Christoph Kuch

Ein vierblättriges Kleeblatt bringt Glück. Zu schön ist der Gedanke, ist aber leider nicht so. Zumindest würde das Christoph Kuch sagen. In seinem neuen Buch rät er vom Aberglaube ab. Der Titel lautet "Sei nicht abergläubisch, das bringt Unglück".

In diesem Buch erklärt er, warum wir uns dennoch auf solche Gedanken einlassen. Kuch ist Mentalmagier und damit ein Kenner der Alltagspsychologie, der behauptet zu wissen, wie unser Verstand tickt. Und das nimmt man ihm auch ab, schließlich ist er Weltmeister unter den Mentalmagiern. Zauberkünstler dieser Sparte verwenden zum großen Teil Techniken, die ohne die genaue Beobachtung des Menschen gar nicht funktionieren würden. Kuch zieht dazu eigene Erfahrungen aus dem Wahrsagen heran: Einmal sollte er die Hand einer Frau lesen und entdeckte einen hellen Rand auf ihrem rechten Ringfinger. Aha, dachte er, ein Indiz für eine Trennung. Und so bildete detektivisches Geschick die Basis für sein Wahrsagen.

Aber keineswegs ist das Buch eine Anleitung für angehende Mentalmagier. Kuch beantwortet jedoch Fragen, die man schon immer mal von einem Zauberer wissen wollte, wie zum Beispiel es möglich sein kann, Lottozahlen vorher zu sagen, das Glück zu beeinflussen oder gar jemanden zu heilen. Die Erklärung mit übernatürlichen Kräften lehnen Mentalmagier im Allgemeinen ab. Viel mehr seien es psychologische Phänomene, die bei den Zauberkünsten eine Rolle spielen. Und auch das Glück sei nicht zu beeinflussen, sondern eine reine Einstellungssache.

Es gibt viele Stellen, an denen der Leser sich selbst ausprobieren darf. Zum Beispiel gibt es eine Knobelaufgabe, bei der nur mit einer Streichholzschachtel und einigen Heftzwecken eine Kerze an der Wand befestigt werden soll. Das Buch ist sehr locker und witzig geschrieben. Und wird dadurch zu einer unterhaltsamen Lektüre. Dem entspricht auch der Aufbau der einzelnen Kapitel. Jedes beginnt mit kurzen Zitaten aus Songs bekannter Musiker oder Bands. Dann folgt meist eine lustige Anekdote aus dem Alltag des Autors, an der deutlich wird, dass Christoph Kuch von seinen Künsten sehr überzeugt ist – Übertreibung gehört offenbar dazu.

Auch wenn Kuch Tricks der Show-Zauberei preis gibt, sieht er sie als hohe Kunst an. Wichtig ist ihm nur, deutlich zu machen, dass da keine übernatürlichen Kräfte im Spiel sind. Sein Motto lautet: Nur weil etwas unerklärlich scheint, bedeutet das nicht, dass es dafür keine Erklärung gibt!

Ein Buch für alle, die schon immer mal hinter die Kulissen der Bühnenmagier schauen wollten. "Sei nicht abergläubisch, das bringt Unglück" ist als Taschenbuch im Droemer Knaur Verlag erschienen. Es hat 287 Seiten und kostet 12,99 Euro.

"Der Wochenendverführer" von Julia Strauß

Ein Wochenende ist normalerweise nichts, wozu man verführt werden müsste. Eher wäre ein Montagmorgenmotivierer angebracht. Doch das Buch "Der Wochenendverführer" von Julia Strauß sollte man trotzdem haben. Denn es ist so originell und witzig, dass man sich wünscht, es würde nie enden – ein bisschen also, wie das Wochenende an sich.

Aber was ist „Der Wochenendverführer“? Es ist ein kleines Buch voller Ideen und Anregungen für die Freizeit. Dabei ist es nicht regional gebunden, sondern nur nach Jahreszeiten gegliedert. 52 Kapitel hat das Buch, es führt einen also einmal durchs Jahr. Jedes Kapitel dreht sich um einen Begriff, wie zum Beispiel "Erdbeeren", "Freunde" oder "Picknick". Dabei folgen die Themen keinem bestimmten Muster, sodass man jedes Mal aufs Neue überrascht wird.

Normalerweise beginnen die Kapitel mit einem kurzen Zitat aus einem Roman oder Gedicht, um auf das Thema einzustimmen. Und was danach kommt… Nun, das ist so abwechslungsreich, dass nie Langeweile aufkommt. Gerne erzählt die Autorin zum Thema zunächst etwas Historisches oder Wissenswertes oder auch Besinnliches. Und dann folgt je nachdem ein Rezept, eine Aufgabe, eine Bastelanleitung oder ein kleines Spiel. Dabei ist die Autorin Julia Strauß so kreativ und einfallsreich, dass man beim Lesen immer wieder schmunzeln muss. So beschreibt sie zum Beispiel, wie man aus Kastanien sein eigenes Bio-Waschmittel herstellt. Sie ermutigt dazu, im Wohnzimmer Foxtrott zu tanzen – natürlich mit Anleitung. Oder sie erklärt, wie man verzuckerte Veilchenblüten herstellt.

Julia Strauß ist eine junge Autorin aus München. Ihre Liebe zur Natur ist an vielen Stellen in das Buch eingeflossen. Damit ist „Der Wochenendverführer“ eine fast zauberhafte Lektüre und auch ein wunderbarer Geschenktipp für Ostern. Mit diesem Buch wird man nie wieder am Sonntagabend das Gefühl haben, seine freie Zeit nicht optimal genutzt zu haben. Aber Achtung! Man sollte das Buch niemals unter der Woche lesen – denn dann kann man das Wochenende wirklich kaum noch abwarten.

"Der Wochenendverführer" von Julia Strauß ist im Inselverlag erschienen. Die gebundene Ausgabe hat 239 Seiten und kostet 14,95 Euro.

"Das Web-Adressbuch für Deutschland 2014"

"Web-Bibel" – das ist einer der Begriffe, der über ein recht ungewöhnliches Nachschlagewerk zu lesen ist. Seit inzwischen 16 Jahren versucht es, Google Konkurrenz zu machen: "Das Web-Adressbuch für Deutschland".

Ähnlich einem Branchenbuch ist es in einzelne Themenbereiche gegliedert. Diese wiederum sind unterteilt in insgesamt über 10.000 spezielle Gebiete, zu denen dann jeweils zwei bis zehn redaktionell aufgearbeitete Web-Adressen angeboten werden. Damit umfasst das Web-Adressbuch einen Großteil der wichtigen deutschsprachigen Internetseiten und bietet die Möglichkeit, sich einen guten Überblick über ein gesuchtes Thema zu verschaffen.

Die ansprechende Aufmachung und die Illustrationen laden noch zusätzlich zum stöbern ein. Man entdeckt so die eine oder andere Seite, die man noch nicht kannte. Problematisch wird es jedoch bei der Suche nach sehr speziellen Internetseiten. Hier stößt das analoge Web-Adressbuch an seine Grenzen. Auch auf fremdsprachige Seiten und bequeme Verlinkungen muss der Nutzer verzichten.

Damit ist dieses Nachschlagewerk vor allem für Interneteinsteiger geeignet oder diejenigen, die sich einen Überblick über das deutschsprachige Internet verschaffen wollen. "Das Webadressbuch für Deutschland 2014" ist im M.W. Verlag erschienen und kostet 16,90 €.

"Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv: Neue Sprachglossen" von Wiglaf Droste

„Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“. Wer an Sprachspielereien dieser Art keine Freude hat, dem ist gleichnamiges Werk nicht zu empfehlen. Denn wenn man die neueste Sammlung von Sprachglossen des Autors Wiglaf Droste genießen will, sollte man Zeit, Humor und nicht zuletzt Geduld mitbringen.

Wiglaf Droste machte sich einen Namen durch zahlreiche Beiträge für Rundfunk und Presse. Er ist preisgekrönter Autor und tourte als Sänger zuletzt mit seiner „Tünseltown Rebellion Band“ durch Deutschland. Als Autor ist er hauptsächlich als Satiriker tätig, als Kritiker der Gesellschaft und als leidenschaftlicher Wortspieler. Immer wieder werden seine Glossen in einem neuen Buch zusammengestellt, 2013 erschien „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ bei Edition Tiamat.

Wenn man eins von diesem Buch nicht erwarten darf, dann ist das Schmökerqualität. Soll heißen: Für einen langen Leseabend ist „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ nicht geeignet. Das hat zwei Gründe: zunächst sind 115 Glossen darin enthalten, die Länge variiert von einem Absatz bis zu zwei Seiten. Thematisch hängen die Kapitel natürlich nicht zusammen und so wird man schnell in ein Thema hinein- und auch wieder herausgestoßen. Der zweite Grund, der gegen langes Lesen spricht, ist die Schreibart. Wiglaf Droste ist ein Meister der Sprache und seine Glossen sind intelligent, schnell und dicht. Zudem entfaltet sich ein Sprachwitz, der häufig erst beim zweiten Lesen voll zur Geltung kommt.

Doch worum geht es eigentlich in „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“? Kurz gesagt: darum, was wir im täglichen Leben unserer Sprache antun. Wiglaf Droste ist ein aufmerksamer Beobachter. Kaum eine Situation ist vor ihm sicher, in der Menschen Sprache verbiegen und sich damit letztendlich selbst blamieren. So macht er sich über den allgemeinen Anglizismen Wahn lustig und philosophiert über No-gos und Kaffe to-gos. Er beklagt das Verschwinden von Kännchen in Straßencafés. Er parodiert Menschen, die Fremdwörter falsch verwenden und macht sich Gedanken über Blasphemie. Ein Gespräch am Nebentisch oder der Name eines Restaurants kann Wiglaf Droste zu seinen Abhandlungen inspirieren. Somit erinnert „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ an ein pointiertes Tagebuch. Oder an einen Skizzenblock, den man immer dabei hat, um das Geschehene in all seiner Fehlbarkeit festzuhalten.

Mit dem Buch folgt man dem Autor durch die Welt und lernt dabei, mit seinen Augen zu sehen. Man sieht die Schönheit der Sprache, aber auch die Hässlichkeit ihrer Verwendung. Wiglaf Droste seziert Situationen regelrecht und überlässt dem Leser, es selbst in Zukunft besser zu machen – Das ist manchmal anstrengend, aber immer so treffsicher formuliert, dass man sich ab und zu regelrecht ertappt fühlt.

Somit ist „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ ein absoluter Tipp für Weihnachten. Wer sich an intelligenter Satire erfreuen kann, wird gerne von Zeit zu Zeit zu diesem Buch greifen – und sich auf eine unterhaltsame Reise durch die Welt der Sprache begeben.

„Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ von Wiglaf Droste ist bei Edition Tiamat erschienen. Die Ausgabe in Klappenbroschur umfasst 236 Seiten und kostet 14 Euro.

"Weihnachten in Sachsen" von Dietmar Sehn

Ein Lesebuch über das sächsische Weihnachtsbrauchtum

Der Dresdner Autor Dietmar Sehn gibt mit „Weihnachten in Sachsen“ bezaubernde Einblicke in die schönsten sächsischen Weihnachtstraditionen zwischen Leipzig und Görlitz, Weißenberg und Plauen und zeigt, wie viel mehr seine Heimat außer Dresdner Striezel oder Pfefferkuchen aus Pulsnitz an Weihnachtstypischem zu bieten hat. Neben alten und neuen Weihnachtsbräuchen, vertrauten Liedern und Gedichten hat er Sagen, Bauernregeln, Märchen und traditionelle Rezepte zusammengestellt, die den Leser durch die Advents- und Weihnachtszeit bis zum Dreikönigstag und Mariä Lichtmess Anfang Februar begleiten. Die Texte sind mit romantischen Holzschnitten des Dresdner Malers Ludwig Richter illustriert und laden ein, in die typisch sächsische Weihnacht mit ihren Sitten und Gebräuchen, Traditionen und Weisen tiefer einzutauchen.

Das Erzgebirge beispielsweise gilt als Heimatland des traditionellen weihnachtlichen Kunsthandwerks. Dort entfalten die festlichen Tage ihren ganz besonderen Reiz. So veranstaltet man in Stollberg einen Schwibbogen-Wettbewerb, dekoriert in Auerbach das „Fensterbrattl“ mit Waldmoos und Weihnachtsfiguren oder begeht in Ehrenfriedersdorf die Bergmette. Auch Schwibbögen aus Johanngeorgenstadt oder Pyramiden aus Schwarzenberg verbreiten bis heute festliche Stimmung in den weihnachtlichen Stuben.

Dazu liefert Dietmar Sehn kurzweilige Erzählungen, die beispielsweise an die Tradition des Neunerlei erinnern, das zu Heiligabend vor allem im Erzgebirge auf den Tisch kommt, oder vom Ursprung der Adventssterne aus dem Herrnhuter "Sternelbetrieb" in der Oberlausitz berichten. Der Leser schlendert über den Dresdner Striezelmarkt, erfährt die Geschichte von der Entstehung des Pflaumentoffels oder besucht das „Erste Nussknackermuseum Europas“ in Neuhausen. Erklärt wird auch, warum man in Leipzig den Stollen „Stolle“ nennt oder wie das „Pfefferkuchenmuseum“ in Weißenberg entstand.

Daneben stimmen weihnachtliche Gedichte und Lieder wie das volkstümliche „Heilig-Obnd-Lied“ auf die besinnlichen Festtage im Kreise der Familie ein. Und wem das noch nicht genügt, der kann mit diesem Buch auch althergebrachte Rezepte ausprobieren und etwa Pfefferkuchen, Dresdner Stollen oder Mohnklöße nachbacken oder herzhafte Leckereien wie grüne Klöße oder schlesisch-sächsischen Karpfen auf den Tisch zaubern.

Der Autor Dietmar Sehn wurde 1944 in Dresden geboren und arbeitete nach dem Studium am Institut für Literatur in Leipzig im kulturellen Bereich sowie als freier Autor. Er schrieb heimatgeschichtliche Beiträge sowie Kindergeschichten und verfasste Hörspiele und Sketche. Nach der Wiedervereinigung war er im Bertelsmann-Verlag tätig, verfasste mehrere Bücher zur Dresdner Stadtgeschichte und führt seit 2002 als Reiseleiter Besucher durch ganz Sachsen. Zum Thema Weihnachten hat er 40 Jahre lang recherchiert, geschrieben und zahlreiche Vorträge gehalten und ist so Kenner der sächsischen Weihnachtsgeschichte.

Mit „Weihnachten in Sachsen“ hat Dietmar Sehn sein erstes Buch im Sutton Verlag veröffentlicht. Das Taschenbuch ist seit Oktober 2013 im Handel erhältlich, hat 192 Seiten und kostet 9,95 Euro.

"Die Unvollendete" von Kate Atkinson

Was wäre, wenn man sein Leben nochmal leben könnte? Würde man alles besser machen und glücklicher sein? Darum geht es in dem neuen Roman von Kate Atkinson mit dem Titel "Die Unvollendete".

Hauptperson ist Ursula Todd. Sie hat die außergewöhnliche Gabe ihr Leben immer wieder neu gestalten zu können. Die Geschichte beginnt mit der Geburt von Ursula, bei der sie gleich stirbt. Doch sie wird wieder geboren und bekommt auch später immer wieder aufs Neue die Chance, ihre Fehler in einem neuen Leben auszubessern und dabei sogar andere vor dem Tod zu bewahren.

Ursula lebt in einer britischen Familie und wächst mit vier Geschwistern auf. Schon als Kind erlebt sie die Leiden des ersten Weltkrieges, denn ihr Vater muss als Soldat in den Krieg ziehen. Als Erwachsene erlebt Ursula auch die Wucht des zweiten Weltkrieges und sie fragt sich immer wieder, ob dieser Krieg hätte verhindert werden können. Am Ende des Buches versucht sie das auch. Der Ausgang bleibt offen.

Der Roman "Die Unvollendete" ist mit sehr vielen Zeitsprüngen versehen. Dadurch ist es zu Beginn schwierig in die Geschichte hineinzufinden. Zur Orientierung sind die Kapitel mit Jahreszahlen betitelt. Allerdings gibt es auch innerhalb der Kapitel einige Rückblenden, und so bekommt der Leser einen besseren Draht zu Ursulas Persönlichkeit. Über die anderen Familienmitglieder und Personen ist dagegen recht wenig zu erfahren. Gerade am Anfang wird der Leser regelrecht "ins kalte Wasser geschmissen". Die Handlung beginnt einfach ohne dass klar wird, wer zu wem gehört. Das wird erst im Verlauf deutlicher.

"Die Unvollendete" ist ein Buch über Liebe, Krieg, Verrat und Tod und bietet vor allem auch eine Möglichkeit, selbst über das Leben nachzudenken. Kate Atkinson baut durchweg Spannung auf und beschreibt die Handlungen sehr detailreich. Die britische Schriftstellerin hat selbst nicht in der Kriegszeit gelebt, aber sich immer für die Geschehnisse interessiert, die in ihrer Familie lange Zeit verschwiegen wurden. Auch Kate Atkinson fragte sich: Was wäre wenn? Und so entstand der Roman "Die Unvollendete".

Fazit des Buches: Das Leben wird nie fehlerfrei und perfekt sein. Man sollte also versuchen sein Leben in vollen Zügen zu genießen und die Fehler, die man macht, als Chance sehen, es später besser zu machen.

"111 Orte in Sachsen die man gesehen haben muss" von Oliver Schröter

Reiseführer gibt es viele. Jedes Jahr zur Ferienzeit überschwemmt eine neue Welle origineller Ausflugstipps den Markt. In letzter Zeit boomen besonders die Heimatreiseführer, die uns den Urlaub auf Balkonien versüßen sollen. Auch der Autor Oliver Schröter liefert einen Beitrag zum Heimatreisen. Sein Ansatz: "111 Orte in Sachsen die man gesehen haben muss"

Das Buch ist als Teil einer Themenreihe im emons-Verlag erschienen. "111 Orte" kann man beispielsweise schon in Berlin, der Provence oder Rom entdecken. Ziel der Buchreihe ist, an jedem Ort einen Blick über die Touristen-Klassiker hinaus zu werfen. So sucht man in der sächsischen Ausgabe die Frauenkirche oder das Völkerschlachtdenkmal vergeblich. Dafür fuhr der Autor 7.000km durch Sachsen und fand dabei weniger bekannte Schätze.

Jedes Ausflugsziel ist auf einer Doppelseite präsentiert. Dabei steht neben einem großen Bild ein informativer Text. In der Tat machen diese Ortsbeschreibungen das Buch so charmant. Oliver Schröter ist Journalist, und das merkt man. Er schreibt ironisch und interessant. Seine Sprache ist voller Bilder, Metaphern und idiomatischer Ausdrücke. Damit entstaubt er ein wenig den Beruf des Reiseleiters.

Er erzählt Historisches, Legenden und wissenswerte Kleinigkeiten zu jedem Ort. Dabei ist die Liebe zu seiner Wahlheimat Sachsen unübersehbar. Zudem finden Reisende nützliche Informationen zu Öffnungszeiten, Anfahrt, und öffentlichem Nahverkehr. Und es wird immer ein Tipp gegeben, mit dem sich in der näheren Umgebung weitere Schönheiten entdecken lassen. Oliver Schröters Empfehlungen sind nach Standorten sortiert und haben einen unterhaltsamen Untertitel. So wird der Chemnitzer Schlossteich als "Ursuppe" bezeichnet und die Festung Königstein mit "juppheidi juppheida".

Hier wird schon deutlich: ganz ohne die klassischen Touristenziele kommt auch dieser Reiseführer nicht aus. Aber das Buch pickt auch einzelne Brücken, Parks oder Stadtviertel heraus. Wir werden zum Beispiel ins Musikinstrumentenmuseum nach Markneukirchen geführt. Oder zur größten Dorfkirche Deutschlands nach Cunewalde.

Die Botschaft des Autors ist eindeutig: Sachsen hat seinen Gästen etwas zu bieten. Als Tourist denkt man halb gelangweilt an Dresden oder das Erzgebirge. Und da hakt der Autor ein und sagt: Ja klar haben wir das auch. Aber schon mal im Findlingspark Nochten gewesen?

In "111 Orte in Sachsen die man gesehen haben muss" gibt es viel zu entdecken - egal ob vor Ort oder mit dem Finger auf der Landkarte. Natürlich geht das Buch mit dem Trend, der da lautet: Biete dem Leser das größtmögliche Entertainment. Damit erfindet der Reiseführer keineswegs das Rad neu. Aber er schickt uns auf Entdeckungstrips zu versteckten Kleinoden in ganz Sachsen. Und dank der launigen Schreibart des Autors lässt man sich gerne kleine Ausflugstipps geben. So kann man Sachsen mit diesem Buch womöglich doch noch ein bisschen anders bereisen.

"111 Orte in Sachsen die man gesehen haben muss" ist im emons-Verlag erschienen. Die broschierte Ausgabe umfasst 230 Seiten und kostet 14,95 Euro.

"Mein Mallorca" von Vito von Eichborn

Reiseführer über Mallorca gibt es wie Sand am Meer. Das hat sich Vito von Eichborn auch gedacht - und gleich noch einen hinzugefügt.

Doch "Mein Mallorca" ist der etwas andere Reiseführer. Denn Von Eichborn hat selbst zwei Jahre in der Urlaubsmetropole gelebt und berichtet nun von seinen Erlebnissen.

Da gibt es einmal das unglaublich umfangreiche historische und geografische Wissen über die Insel. Von Eichborn stellt das kurz und unterhaltsam dar, und bleibt dabei dennoch sachlich-fundiert.

Und da wären noch Themen wie Integration, Korruption und die guten alten Vorurteile. Was wäre Mallorca nur ohne die Vorurteile über die Inselbewohner und Urlauber? - Letztere beschreibt Von Eichborn auch liebevoll als "Rippunterhemd- Hängebäuche", "toupierte spitzzüngige Klatschbasen" oder "Minikini-Teenies". Aber der Autor bestätigt nicht nur Klischees, sondern entkräftigt sie gleichermaßen.

Von Eichborn zeichnet sich durch seinen ironisch-sarkastischen Schreibstil aus. Dabei bleibt er aber immer selbstkritisch und nüchtern-ehrlich.

Kritisch geht er auch mit anderen literarischen Werken über Mallorca und deren Autoren um. Er zitiert, vergleicht, bewertet. Fast schon wissenschaftlich schlüsselt er das Phänomen "Mallorca" auf.

Ganz ohne Von Eichborns subjektive Eindrücke geht es dann aber auch nicht. Der Leser lernt auf eine sehr persönliche Art und Weise die Bekanntschaften des Autors kennen sowie die vielen kleinen Eigenheiten der mallorquinischen Bewohner. Spielerisch erzählt er von den verschiedensten Charakteren.

"Mein Mallorca" ist in der Tat weniger ein Reiseführer als ein unterhaltsames Wissensbuch. Zwar ähnelt seine Struktur dem eines Reiseführers, unterbrochen wird diese allerdings durch locker formulierte Überschriften, klugen Sprachwitz und einen außergewöhnlichen Blick fürs Detail.

"Mein Mallorca" ist ein Buch über das tatsächliche Leben auf der Insel. Vito von Eichborn weiß den Leser zu überzeugen, eben durch die Kombination der sachlichen Darstellung und des humorvollen Erzählstils. Dabei lenkt er den Blick gekonnt auf das oftmals Außerachtgelassene.

Und das kennt Vito von Eichborn aus seinen eigenen Mallorca-Erfahrungen. Der gebürtige Magdeburger ist Jahrgang 1943 und als Autor und Verleger tätig, und leitet heute einen eigenen Verlag, der auf Mallorca gegründet wurde.

Das Buch "Mein Mallorca" ist jedoch im Hamburger Verlag mare erschienen, und die gebundene Ausgabe mit 144 Seiten kostet 18,00 Euro.

"Mrs. Alis unpassende Leidenschaft" von Helen Simonson

Liebe im Alter - ein Thema, das mit vielen Tabus behaftet ist. Doch was, wenn die Liebe noch dazu ganz und gar unschicklich ist? Dann wird im prüden England schon mal die Ordnung eines ganzen Dorfes auf den Kopf gestellt.

Von so einer ungehörigen Liebe handelt der Roman "Mrs. Alis unpassende Leidenschaft". Geschrieben hat ihn die Engländerin Helen Simonson. "Mrs. Alis unpassende Leidenschaft" ist ihr Debütroman.

Im Mittelpunkt der turbulenten und humorvollen Geschichte steht der verwitwete Major Ernest Pettigrew. Pettigrew ist ein Gentleman wie aus dem Bilderbuch. Nach außen hin passt er scheinbar perfekt in die spießige Welt aus Golfklub, Jagdgesellschaften und 5-Uhr-Tee. Höflichkeit und Pflichterfüllung hält er für die höchsten Tugenden. Und eigentlich will er nur eins: die alte Ordnung bewahren und seine Ruhe.

Von seinem aufgeblasenen Sohn hält er sich fern. Und auch der übertriebenen Fürsorge der Nachbarinnen geht er aus dem Weg.

Doch nach dem Tod seines Bruders fühlt sich Pettigrew einsam wie noch nie. Da tritt plötzlich die beherzte Ladenbesitzern Mrs. Ali in sein Leben.

Jasmina Ali ist selbst verwitwet und hat pakistanische Wurzeln. In dem kleinen englischen Dorf ist sie damit eine Außenseiterin. Doch der Eigenbrötler Pettigrew taut an ihrer Seite regelrecht auf.

Als die beiden sich näherkommen, löst diese ungewöhnliche Romanze großes Unverständnis in der Umgebung aus. Mit allen Tricks versucht die Verwandtschaft das späte Glück zu stören. Plötzlich bröckelt in dem englischen Örtchen die pseudotolerante Fassade. Der unterschwellige Rassismus wird sichtbar.

Dabei ist diese Liebe keineswegs unpassend, sondern ganz und gar zauberhaft. Der Major und Mrs. Ali entdecken viele Gemeinsamkeiten: Beide lieben Literatur, sind warmherzig und sehr humorvoll. Und sie stehen füreinander ein in einer feindlich gestimmten Welt.

"Mrs. Alis unpassende Leidenschaft" ist eine freche und rührende Geschichte über die Macht der Liebe. Diese überwindet zuweilen auch im Alter noch Grenzen. Die Botschaft des Romans lautet daher: Mit Humor, Beharrlichkeit und Liebe lassen sich viele Vorurteile zerstreuen.

Der Autorin Helen Simonson ist mit "Mrs. Alis unpassende Leidenschaft" ein großartiger Debütroman gelungen. Sie schrieb das Buch in den wenigen Stunden, die ihr als Hausfrau und Mutter blieben. Simonson kommt aus der Werbebranche und lebt seit 20 Jahren in den USA. Sowohl dort als auch in ihrer Heimat England war der Roman ein Überraschungserfolg.

"Mrs. Alis unpassende Leidenschaft" ist im Frühjahr beim Verlag Droemer erschienen. Die Hardcover-Ausgabe hat 480 Seiten und kostet 19,99.

"Die verzauberte Pfeife" - Neue Thomanersagen aus acht Jahrhunderten von Tobias Michael Wolff

Haben Sie schon vom Mord in der Thomaskirche, von der verzauberten Orgel oder vom merkwürdigen Engel gehört? Nein? Dann tauchen Sie in das illustrierte Jugendbuch "Die verzauberte Pfeife" ein.

Pünktlich zum 800-jährigen Jubiläum des Thomanerchores erscheint dieser Band mit spannenden Erzählungen über den weltberühmten Knabenchor.

Autor Tobias Michael Wolff verknüpft Begebenheiten aus der Geschichte mit den typischen Stationen eines Schülerlebens. Und das in sieben Erzählungen. Satirisches und Ernstes, Fakten und Fiktion vermischen sich zu einem kurzweiligen Lesevergnügen für die ganze Familie.

Der Untertitel "Neue Thomanersagen" könnte leicht verwirren, denn es gibt keine alten. Und die Neuen sind mit Lust am Fabulieren frei erfunden. Das Thomaskloster und die Thomaskirche im alten Leipzig bilden eine anheimelnde Atmosphäre für solche Geschichten. In den Hauptrollen meist die jungen Thomaner.

Tobias Michael Wolff ist studierter Musikwissenschaftler. Er hegte besonderes Interesse für die Zeit und Erzählungen über die Thomaner. Heute ist er Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen. Er betont, die frei erfundenen Geschichten seien etwas kühn mit den Fakten verknüpft.

Von der mittelalterlichen Kriminalgeschichte über das Schicksal eines Waisenjungen bis hin zum Auftauchen von Eulenspiegel und Faust. Die Geschichten lesen sich wie ein bunter Comic. Nur die Bilder mit den Blitzen und den Sprechblasen würden da noch fehlen.

Erschienen ist das Buch "Die verzauberte Pfeife" bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig und kostet 14,80.

"Mauerzeit - Als fliehen tödlich sein konnte"

28 Jahre lang trennten Mauern und Stacheldraht die Deutschen in Ost und West. Viele Menschen im Osten lebten mit der gleichen Sehnsucht: Sie wollten die Welt jenseits der Mauer kennen lernen. Manche von ihnen machten diesen Wunsch wahr: Sie versuchten, die Grenze zu überqueren.

Die Fakten aus dieser Zeit sind bekannt. Doch welche Schicksale stehen dahinter? Was fühlten die Menschen, die versuchten, in den Westen zu gelangen? Antworten auf diese Fragen finden sich in dem Buch  Mauerzeit - Als fliehen tödlich sein konnte". Das Buch erzählt, was Menschen alles taten, um die Mauer zu überwinden - selbst wenn sie sich damit in Lebensgefahr brachten.

In 34 Geschichten erinnern sich Zeitzeugen aus Ost und West an die Jahre der Mauerzeit zwischen 1961 und 89. Sie schildern persönliche und zum Teil dramatische Erlebnisse. Viele der Geschichten gehen unter die Haut. Einige machen betroffen. Doch immer sind sie authentisch und unmittelbar. Um die Flucht durch einen heimlich gegrabenen Tunnel geht es zum Beispiel in der Geschichte "Siebzig Meter Angst". Oder Sie erfahren von dem Versuch, "Mit Leiter und Badehose" die Elbe zu durchqueren.

Private Fotos und Karten in schwarz-weiß veranschaulichen das Erzählte. Und es gibt eine Chronologie. Die informiert über die politischen Ereignisse jener Jahre.

Erschienen ist das Buch "Mauerzeit - Als fliehen tödlich sein konnte" 2011 im Zeitgut Verlag. Herausgegeben wurde es von Jürgen Kleindienst und Ingrid Hantke. Das Taschenbuch hat 315 Seiten und kostet 10,90.

"Karl May - Die ganze Wahrheit" von Christian Moser

Präsentiert von CARLSEN zum 100. Todestag von Karl May am 30. März 2012

Winnetous Geschichte kennt jeder. Aber wussten Sie schon, dass sein Schöpfer Karl May ein tolldreister Trickbetrüger war, der zeitweise in einem stillgelegten Stollen unterkam? Dass er als Kind blind war und geheilt wurde? Und dass er eine alte Furunkelnarbe als Spur eines Messerstichs ausgab, um sich als Abenteurer zu inszenieren?

Christian Moser offenbart in seiner illustrierten Biografie die ganze Wahrheit über das Leben des meistgelesenen Autors deutscher Sprache. Dabei scheint der Humorist der Identifikation mit dem Helden ebenso zu erliegen wie einst Karl May: Erzählt wird die Geschichte von keinem geringeren als Old Shatterhand selbst.

Erschienen ist das Buch im Carlsen Verlag und kostet 12,90 Euro.

"Stramme Worte, steile Texte" von Peter Köhler, Klaus Pawlowski, Reinhard Umbach

Nach dem erfolgreichen Sammelband "Fette Prosa, starke Reime" haben die Wortkünstler und Reimakrobaten Peter Köhler, Klaus Pawlowski und Reinhard Umbach - die erfolgreichen Autoren nennen sich Neue Göttinger Gruppe - ihr zweites Gemeinschaftswerk veröffentlicht.

Die drei taz-Autoren begeistern mit ihrem Wortwitz und ihren satirischen Sprachkapriolen.

"Wie alles anfing

Die Welt entstand aus einem Knall:
Das Kn flog fort. Es blieb das All."

Pawlowski und Umbach bevorzugen Gereimtes, Köhler steht die Prosa näher. Alle beherrschen sie die Kunst des genussvollen Wortspiels, aber auch der scharf geschliffenen politischen Pointe: ein Buch zum Kreuz- und Querlesen, zum Schmunzeln und Lachen.

Die Zeichnungen stammen von Carsten Hildebrandt.

Erschienen ist "Stramme Worte, steile Texte" im Satzwerk Verlag und kostet 10,00 Euro

Harald Nicolas Stazol: Ich bin gerne Deutscher - eine Liebeserklärung

Erinnern Sie sich noch an den warmen Sommer 2006?

Als viele enthusiastische Fußballfans in allen Städten Deutschlands zusammenkamen? Die Fußball Weltmeisterschaft stand vor der Tür. Deutschland rückte zusammen. Die Menschen waren stolz auf ihre Jungs, die ihr Land erfolgreich vertraten. Doch sofort warf man den Deutschen vor, zu viel Nationalstolz zu entwickeln. Man habe ja in der Geschichte bereits gesehen, wozu das führe. Darf man als Deutscher noch stolz auf sein Land sein? Oder verbietet das einem die Vergangenheit? Gibt es überhaupt noch etwas, auf das wir Deutschen stolz sein können?

Harald Nicolas Stazol beantwortet diese Fragen mit einer Liebeserklärung. In seinem zweiten Buch "Ich bin gerne Deutscher". Der Journalist und freie Autor schildert auf reichlich 200 Seiten seine Umgebung aus der Sicht eines Künstlers. Er erzählt von den Menschen aus seinem Umkreis und von seinen Begegnungen. Der Boheme verarbeitet persönliche Erfahrungen und erläutert zum Einen, warum es eine Ehre ist Deutscher zu sein, zum Anderen erklärt er, welche Anstrengungen es mit sich bringt.

Stazol schafft es, den Leser in eine unbekannte Welt zu entführen. Dazu trägt auch sein Schreibstil bei. Der gleicht einer charmanten, mit Witz versehenen Plauderei und stellt ein Gedankenexperiment des Autors dar. Erzählerisch beschreibend und ohne ein Urteil zu fällen, ermöglicht uns Harald Nicolas Stazol einen Blick in die Mentalität der Deutschen. Versuchte er sich durch das Schreiben des Buches selbst zu finden, können Sie durch diese Lektüre einen eigenen Standpunkt über die Deutschen und Deutschland entwickeln. Ein empfehlenswertes Buch für Menschen, die ohne patriotische Einstellung gerne Deutsche sind oder es werden wollen.

Ich bin gerne Deutscher - eine Liebeserklärung von Harald Nicolas Stazol ist im Plöttner Verlag erschienen und kostet 16,90.

Alexandra Maxeiner: Lieb mich wie im Film - Die schönsten Liebesfilme einfach selbst erleben

Warum eigentlich immer nur im Kinosessel sitzen und zusehen? Die schönsten Dinge aus den schönsten Liebesfilmen können Sie mit diesem satirischen Leitfaden einfach selbst erleben.

Endlich einmal am Schiffsbug verliebt die Arme ausbreiten (»Titanic«), in einen gut aussehenden Passanten rennen, der Orangensaft transportiert (»Notting Hill«), einem Kellner beim Wassermelonen-Tragen helfen (»Dirty Dancing«) oder sich an einem wilden Flussufer die Haare waschen lassen (»Jenseits von Afrika«).

Alexandra Maxeiner gibt allen Filmliebhabern Empfehlungen, wie sie die komischsten, pathetischsten und kitschigsten Momente ins eigene (Liebes)Leben übertragen können. Die Autorin schlägt Szenen vor, die sich zum Nachspielen eignen, und warnt vor solchen, die man lieber nicht erleben sollte; sie gibt uns die besten Zitate an die Hand; erläutert, welche Worte zum ersten Kuss führen und rät, mit welchem Klugscheißersatz über den Film man am besten Eindruck schinden kann.

Lena Hach: Neue Leute

Sie möchten gerne "Neue Leute" kennenlernen? Normalerweise würde ich Ihnen raten, auf möglichst viele Partys zu gehen. Oder in einen Sport-Verein einzutreten. Oder Sprachkurse zu besuchen. Jetzt kann ich Ihnen aber noch einen weiteren Weg empfehlen: Lesen Sie das Buch "Neue Leute" von Lena Hach.

Darin können Sie in 13 Kurzgeschichten die "Neuen Leute" kennen-lernen, die Ihnen die Autorin im Titel verspricht. Lena Hach hat nach dem Abitur zuerst eine Schule für Clowns besucht. Anschließend studierte sie Germanistik und Anglistik in Frankfurt am Main und in Berlin. Wer ihre Geschichten liest, glaubt manchmal, den Clown heraushören zu können. Die Freude und das Staunen, die ein Clown auch kleinen Dingen entgegenbringt. Sie sind auch in diesen Geschichten präsent.

Lena Hach erzählt in ihren Kurzgeschichten von ganz verschiedenen Menschen und ihren alltäglichen Erlebnissen: Von einem Mädchen, das nicht alleine Kirschen aus dem Keller holen möchte und deshalb seine kleine Schwester besticht, damit sie mitkommt. Von einem Mann mit einer ungewöhnlichen Sammelleidenschaft. Von einer Kartoffelkönigin, von einem Neugeborenen mit australischem Namen, einem stillen Opa, und einem Käpt´n ohne Meer. Von einer Telefonkabelschlange, jeder Menge Polaroidfotos und einem Köpper, der noch gelernt werden muss.

Lena Hachs Kurzgeschichten zeigen den Alltag ihrer Figuren als eine Welt der kleinen und großen Wunder. Dabei erzählt sie so schwebend leicht und komisch, dass man gerne noch mehr "Neue Leute" kennen lernen würde. Vielleicht gibt es ja bald eine Fortsetzung?

13 Kurzgeschichten von Lena Hach: "Neue Leute". Erschienen im Plöttner Verlag. Das Buch kostet 13,90.

Juliane Breinl: "Die Feuerbälle"

Die Abenteuer einer Kinderbande in Ostdeutschland

Eine realistische Kindergeschichte aus dem letzten Jahrzehnt der DDR - einfühlsam und spannend erzählt. Wer ist "Kohle" eigentlich? Ein Taugenichts, der in einem Abrisshaus lebt oder verbirgt der Sonderling nur geschickt ein Geheimnis? Die Kinderbande "Die Feuerbälle", die "Kohle" neugierig beobachtet, macht jedenfalls eine bestürzende Entdeckung...

Aber das ist noch nicht alles. Denn auch das Leben von Tobias gerät aus den Fugen, als seine Eltern einen Ausreiseantrag stellen! Schauplatz dieser Geschichte ist Leipzig in der Endphase der DDR. Fünf Kinder erleben ein ganz besonderes Abenteuer - und erfahren gleichzeitig, wie sehr sich die Wirklichkeit verändern kann, wenn man sie aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Begleitend zu der Geschichte erläutern Kästchen im Fließtext wichtige Begriffe aus dem Alltag der DDR wie Pioniere oder Staatssicherheit. Für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.

"Die Feuerbälle - Die Abenteuer einer Kinderbande in Ostdeutschland" von Juliane Breinl ist im Verlag Sankt Michaelisbund erschienen und kostet 12,90

Tim Parks: "Die Kunst Stillzusitzen. Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung "

Wollen Sie das wirklich wissen?

Wie ein Mann jenseits der 50 mitten in der Nacht aufsteht, zum Computer wankt, um nach Prostatabeschwerden zu googeln. Bei dem Schlaflosen handelt es sich um den bekannten britischen Autor Tim Parks. Er studierte in Cambridge und Harvard und lehrt zur Zeit literarische Übersetzung in Mailand. Sein neues Buch ist anders als seine Vorgänger. In "Die Kunst stillzusitzen. Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung" dreht sich alles um Urinproben und Prostataprobleme.

Trotz aller Zweifel weckt das Buch Interesse.
Zu Recht. Tim Parks verlässt die gewohnten Bahnen und schreibt nun über sich selbst. Er spricht über seine Prostatabeschwerden und über Unterleibsschmerzen. Bald konnte er am Computer nur noch im Stehen schreiben. Tim Parks zog sich von Freunden und Bekannten zurück, weil Geselligkeit meist Sitzen bedeutet. Nachts musste er immer häufiger auf Toilette, so dass die Nächte praktisch schlaflos waren. Sein Buch erzählt, wie er auf Flugreisen drei verschiedene Bordtoiletten benutzte, damit niemand merkte, wie oft er ging. Wie er den Kaffee wegließ und den Alkohol, wie er sich in Sport stürzte, ohne Zeichen der Besserung.

Die Ärzte tippten auf eine vergrößerte Prostata. Die Sache musste behandelt werden. Ein, man könnte fast sagen, Spießrutenlauf beginnt. Komplizierte Tests, gesündere Ernährung, mehr Sport. Doch alles ohne Erfolg. Die Spezialisten entdeckten nichts, was die Schmerzen erklären konnte. Doch Tim Parks ging es immer schlechter. Alles Einbildung?

Doch was tun, wenn die Schulmedizin keinen Rat mehr weiß, man aber alternativen Heilmethoden eher skeptisch gegenüber steht? Mit einem Selbsthilfebuch ging Tim Parks den Schmerzen auf den Grund. Sollte er am Ende selbst die Schmerzen ausgelöst haben? Er, der immer grübelt und sich nicht entspannen kann. Immer unter Strom, hängt er verkrümmt auf seinem Stuhl und schreibt seine Bücher. Tim Parks war verspannt und zwar bis ins Innerste. Und nun musste er loslassen, musste Geist und Körper wieder zusammenbringen. Das ausgerechnet Meditation Heilung bringt, damit hätte Tim Parks nie gerechnet.

Parks Werk scheint ein klassisches Männerbuch zu sein. Aber es ist vielmehr. Gespickt mit Lebensweisheiten, die auch Frauen helfen. Mit "Die Kunst Stillzusitzen" veröffentlicht Parks, ein offenes, ehrliches und schonungsloses Buch. Und das Beste: Sie profitieren von seinen Erfahrungen.

Doch keine Angst, Parks versinkt keinesfalls in Selbstmitleid.
Auch in seinem wohl persönlichsten Buch darf der schwarze Humor nicht fehlen.

Tim Parks: Die Kunst Stillzusitzen. Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung. Kunstmannverlag, ISBN: 978 - 3 888 976 803. Mehr Informationen unter: www.kunstmann.de

Donata Elschenbroich: "Die Dinge. Expeditionen zu den Gegenständen des täglichen Lebens"

Schon der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini wusste: »Was mich in Worten gelehrt wurde, kann ich mit einiger Anstrengung vergessen. Aber ich könnte nie vergessen, was mich die Dinge gelehrt haben.«

Und wie ist das bei Ihnen?
Denken Sie manchmal über Wäscheklammern nach?
Wasserwaagen?
Salzstreuer?

Donata Elschenbroich, Literaturwissenschaftlerin und Musikerin, hat sich mit diesen Fragen in ihrem neuen Buch auseinandergesetzt. "Die Dinge. Expeditionen zu den Gegenständen des täglichen Lebens", so lautet der Titel.

Donata Elschenbroich gilt als Expertin für Bildung in den frühen Jahren, arbeitete am Deutschen Jugendinstitut und produzierte mit Otto Schweitzer zahlreiche Filme zum Thema Weltwissen.

Die Autorin will Sie zum Nachdenken anregen. Sie verdeutlicht die Selbstverständlichkeit, mit der wir den alltäglichen "Helferlein" gegenübertreten. Denn, geben Sie es zu - Ihren eigentlichen Wert haben Sie dabei schon aus den Augen verloren.

In der spontanen Sammlung "bedeutender Dinge" zeigt beispielsweise der Flummi, wieviel Bewegung in der Welt steckt. Besonders bemerkenswert ist die Rolle des Taschentuchs: Es ist universell einsetzbar für Schnupfen, Nasenbluten, verletzte Hände, Ellenbogen oder Knie.

In ein Taschentuch kann man hinein weinen oder drauf beißen um das Weinen zu unterdrücken. Ein Knoten im Taschentuch dient als Gedächtnisstütze. Und auch zum Abschied winkt man damit.

Donata Elschenbroich stößt Sie auf den Wert der Dinge, die uns tagtäglich umgeben. Erwachsene denken eher pragmatisch: der Kugelschreiber muss funktionieren, das Maßband ist selbstverständlich und Werkzeuge gehören eben zwangsläufig in jeden Haushalt. Und eine Wäscheklammer ist nun wirklich nichts Besonderes. Wie aber sehen Kinder die Welt der Dinge? Kinder denken nicht an "Funktionen" und "Nutzen". Überhaupt müssen sie verschiedenste Gegenstände, die für uns banal erscheinen, erst entdecken.

Warum also teures Spielzeug kaufen, wenn es im Haushalt doch so viel zu entdecken gibt? Aus all diesen Überlegungen ist ein faszinierendes Bildungsprojekt entstanden.In Baden-Württemberg. In einigen der 33 Bildungshäusern gibt es seit kurzem Weltwissen-Vitrinen, in denen Alltagsgegenstände ausgestellt sind. Ob Instrument, Werkzeug, ob Dübel, Nudelholz oder Locher - dem "Weltwissen" sind keine Grenzen gesetzt. Eltern können sich gemeinsam mit ihren Kindern Gegenstände ausleihen und zu Hause auf Erkundungsreise gehen.

Donata Elschenbroich: Die Dinge. Expeditionen zu den Gegenständen des täglichen Lebens. Kunstmann Verlag, München 2010. Mehr Informationen unter www.kunstmann.de.

Carlos Busqued: "Unter Dieser Furcht Erregenden Sonne"

Alle bewundern es, doch ich hatte Angst vor diesem Buch. Der Titel verspricht einige schlaflose Nächte, dachte ich. Unter dieser furchterregenden Sonne. Das Romandebüt des argentinischen Schriftstellers Carlos Busqued. Ich hatte Angst, dass, wenn ich die ersten Seiten aufschlage, giftige Insekten heraus krabbeln und mich aus ihren stecknadelgroßen glitzernden Augen bitterböse anstarren. Mich, die Beute, taxieren. Denn die Welt, die Carlos Busqued zeichnet, ist gefährlich.Für Mensch und Tier.

Cetarti, so der Name der Hauptfigur, verbringt seine Tage in einen warmen, grünen, alles vergessen machenden Nebel gehüllt auf der Couch, und schaut Dokumentationen über Riesenkraken und Kriege. Als sein Telefon klingelt, ist von dieser Welt nicht mehr viel übrig. Er muss sie verlassen, in seine Heimatregion, den Chaco reisen, um seine tote Mutter und seinen toten Bruder zu identifizieren. Der Mörder ist der Lebensgefährte der Mutter, der sich anschließend selbst erschoss. Die Geschichte klingt stark nach Quentin Tarantino, jedoch ohne seinen Humor. Alle Schönheit, alle Menschlichkeit, verbrennt in der furchterregenden Sonne des Chaco. Autor Carlos Busquez sagte dazu in einem Interview:

»Schönheit ist ein existentielles Konzept, über das man diskutieren kann, wenn man über das menschliche Wesen spricht. Es wie in diesem Film "I walked with a zombie", in dem ein Darsteller sagt: "Ihnen kommt das schön vor, weil sie es nicht verstehen: Der Glanz des Wassers ist das Spiegelbild des Mondes auf Millionen von toten Mikroorganismen, die fliegenden Fische springen aus Verzweiflung, weil unter ihnen jemand sie fressen will".»

Doch Cetarti ist nicht allein im Chaco, ihm zur Seite steht Duarte, der zwielichtige "Testamentsvollstrecker" in Anführungszeichen. Mehr und mehr wird klar, in welcher Verbindung er zu dem Mörder von Cetartis Familie steht. Doch auch die Frage nach Verbrechen, Schuld und Sühne versinkt in dem grässlichen, braunen Schlamm, der Cetartis Heimatdorf zu verschlingen droht. Wie die Diktatur Argentinien einst verschlang.

Carlos Busqued hat eine Faszination für das Abgründige. Diese Faszination lebt er in selbstproduzierten Radioprogrammen aus. Er verrät:

»Ein Programm zum Beispiel, das ich viele Jahre lang gemacht habe, nannte sich "Vidas Ejemplares" (Vorbildliche Leben). In dem Format ging es um die Lebensgeschichten von Serienmördern, Paranoiden, sozial ausgegrenzte und allgemeine kranke Personen. Später machte ich eine Reihe von Programmen, die unterschiedliche Namen [...] aber immer das gleiche Format hatten: Eine Mischung aus Literaturtexten, Fälle aus der psychiatrischen Anstalt und verschiedenem Schund.«

Cetarti, der Name des Helden, erinnert ein wenig an das spanische "Cetaria", was übersetzt Fischteich bedeutet .In dem Teich, den Busqued mit seinem Debüt aushebt, tummeln sich allerdings keine niedlichen Guppies, eher wohnen darin gefährliche Riesenkraken und Haie, die immer wieder nach den Beinen des Lesers schnappen, wenn er sie allzu selbstvergessen über den Rand des Wassers baumeln lässt.

"Unter Dieser Furchterregenden Sonne" von Carlos Busqued ist im Kunstmann Verlag erschienen, hat 192 Seiten und kostet im Handel 17,90 Euro.

Jürgen von der Lippe, Monika Cleves: "Verkehrte Welt"

Der Alltag kann manchmal ganz schön trist sein: Tag für Tag vergeht in der immer gleichen Monotonie, ohne Abwechslung ohne Überraschungen.

Anders in "Verkehrte Welt", dem neuen Buch von Jürgen von der Lippe und Monika Cleves. Das Autorenduo nahm in seiner Veröffentlichung "SieundEr. Botschaften aus parallelen Universen" und in dessen Fortsetzung "Noch viel mehr von SieundEr" die Kluft zwischen Mann und Frau unter die Lupe. Nun blicken sie ein bisschen tiefer in unser Alltagsleben.

Seit sieben Jahren moderiert der Entertainer Jürgen von der Lippe die Comedy-Literatursendung "Was liest du?". Mit seinen Gästen stellt er humorvolle Bücher vor, die in Zeiten von PC, Fernsehen und Blockbusterfilmen wieder Lust auf lesen machen sollen. Seit mehr als 12 Jahren arbeitet er mit Monika Cleves zusammen. Ihr Schaffen scheint sich als sehr fruchtbar zu erweisen. Mit ihren Büchern, die sie auch als Hörbücher publizieren, touren sie unabhängig von Lippes Soloauftritten durch Deutschland.

Der Titel "Verkehrte Welt" ist Programm: In gemeinsamer Arbeit entstanden spritzige Geschichten um Alltäglichkeiten, die allzu oft in unerwartete Wendungen müden. Sie spielen mit Erwartungen und brechen sie zugleich. Denn wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt... Da entpuppt sich die Indianergeschichte als Tagtraum, der Bankräuber ist der Herr Beck aus dem Volkshochschulkurs und die heilige Jungfrau Maria geht bei Udo Walz Haare schneiden.

Die Protagonisten in den 52 Kurzgeschichten aus "Verkehrte Welt" sind oft Typen, Figuren wie der Nachbar von nebenan oder die Frau in der Warteschlange vor uns. Erzählt wird von unerwarteten Begegnungen, von Fettnäpfchen und dem Unangenehmen - also von alldem, was wir sonst lieber verschweigen. Und das alles pointenreich und mit einem gewissen Augenzwinkern. Das entschuldigt vielleicht auch die Tatsache, dass die Geschichten ab und zu ins Vulgäre abrutschen.

Jürgen von der Lippe und Monica Cleves zeigen in "Verkehrte Welt", dass die witzigsten Geschichten eben doch im Alltag passieren. Buch und Hörbuch sind bei eichborn erschienen und kosten jeweils 14,95.

Nina Hagen "Bekenntnisse"

Nina Hagen schreibt ein Buch. Daran ist nichts Ungewöhnliches. Sie ist dafür bekannt, immer wieder neue Ufer zu suchen. Nun eben die Literatur. Und Literatur bekommt der Leser en masse, in ihrer Autobiografie "Bekenntnisse". Nina Hagen serviert ein duftendes Gericht aus surrealer Poesie, Erinnerungsfetzen und lustigen Geschichten. Gewürzt mit Humor, Lebenslust und Wortgewalt.

Wortgewaltig geht’s gleich los:

»Als Reiter auf dem Sturm der Geburtswehen unserer Mütter werden wir geboren und auf diese Erde geworfen, ohne dass wir uns aussuchen können, wie oder wann oder wo. Waaahnsinn! Und warum? Weil wir geliebte Kinder eines lebendigen Gottes sind. Wir kommen hier ans Licht der Welt als unglaublich süße, kleine, schutzbedürftige Menschenwesen.«

Das kleine Menschenwesen Nina erinnert sich. Wie sie in den Märztagen 1955 als Catharina Hagen in Berlin Friedrichshain auf die Welt kommt, »geboren auf den Ruinen eines schlimmen Weltkrieges, geboren durch die Lust und den Lebenswillen meiner Eltern«. Ihre Eltern, Hans Oliva und Eva Maria lernten sich in einem Berliner Club kennen.

Für die Ideologie der Nazis floß das falsche Blut durch die Adern der Familie ihres Vaters. Levi hießen sie, bis der Urgroßvater die Heirat mit einer christlichen Frau nutzte, um den Familiennamen Hagen zu führen. Trotzdem kam die Herkunft heraus und Ninas Großvater musste im Zuchthaus dafür sterben, »dass es ein Attentat auf den Nazigranden Reinhard Heydrich geben hatte.«

Nina erinnert sich. Wie ihre Mutter Eva Maria Hagen, geborene Buchholz, bekannte Schauspielerin, Sängerin, Malerin und Autorin; von einem Jungen geträumt hatte und dass ihre Geburt kein Zuckerschlecken war. Während der Entbindung dachte sie: »Einer von uns beiden überlebt die Prozedur nicht, vielleicht keiner.« Und dann, als Nina da war, »war die Erde das Paradies«.

So wandelt der Leser gemeinsam mit Nina Hagen durch die Gärten ihrer Erinnerungen. Und weil es Nina Hagen ist, sind dort die Bäume blau, die Vögel rot und das Gras gelb. Bunt, wie ihre Haare, wie ihre grell geschminkten Lippen. Man erfährt, wie sich die junge Nina emanzipiert, wie sie den Punk, den Sex, den Rock'n'Roll und die Liebe zu Gott entdeckt.

Viele private Fotos machen das Buch und ihre Geschichte lebendig und am Ende ist man Nina Hagen, der Frau von Welt, dankbar, dass sie den Leser mitnimmt in ihr ganz persönliches Universum. Denn, sie verrät, was sie sich wirklich wünscht:

»[S]ingen, singen, singen... und einfach glücklich sein, wie ich so einige schöne Male in meinem Leben glücklich war, wenn ich singen durfte und im Herzen verstanden wurde.«

Nina Hagens "Bekenntnisse" umfassen 291 Seiten, sind im Pattloch Verlag der Verlagsgruppe Drömer Knaur erschienen und kosten im Handel 18 Euro. Natürlich können Sie das Buch auch hier bestellen!

Notbuch: Von Luci van Org (Musik und Illustrationen) und Michael Kernbach (Text)

Das soll eine Wirtschaftskrise (gewesen) sein?! Darüber können erfahrene Not-Berater nur lachen. Wer sich vorbereiten will auf das harte Leben nach einer echten Krise, ist mit dem Notbuch gut bedient. Die Texte des Notbuches stammen von Michael Kernbach und die Illustrationen, sowie die Musik aud beigelegter Not CD von Luci van Org, die vor Jahren mal froh war, ein Mädchen zu sein. Dieser satirische Ratgeber der beiden bietet wertvollen Rat in Wort und Bild. Damit die Stimmung auch in der Not gut bleibt, schneidern wir uns Abendroben aus Jutesäcken, strecken das Ciabatta-Brot mit Sägemehl, basteln Weihnachtsschmuck aus Wohlstandsmüll und lehren unsere Kinder das Herstellen von Ameisenkonfitüre mithilfe ihrer fleißigen Füßchen.

In den vier Abschnitten des Notbuches geht es um: das Überleben zu Hause, mit Familie, in der Ferne und mit Erkrankungen und Beschädigungen.

Zum Beispiel lernt man, wie vielseitig eine Rolle Alufolie zu verwenden ist.

Und auch das passende Tischgebet für die Welt nach dem Geld findet man im Notbuch:

Sag, was wahr ist
Trink, was klar ist
Iss, was da ist.

In diesem Sinne kann mit dem Notbuch von Michael Kernbach und Luci van Org die Krise kommen, denn sie sind garantiert gewappnet, wenn sie 16,90 investieren, um das im Carlsen Verlag erschienene Notbuch zu bestellen.

Régis de Sá Moreira: "Das geheime Leben der Bücher"

Régis de Sá Moreira: "Das geheime Leben der Bücher"

»Tausende Kilometer von dem Ort entfernt, an dem Sie sich befinden, in einem Land, in einer Stadt, in einer von vielen Buchhandlungen schlug ein Buchhändler die Augen auf«.

So beginnt er, der Roman "Das geheime Leben der Bücher" von Regis de Sa Moreira, Sohn einer Französin und eines Brasilianers, geboren 1973, wohnhaft in Paris.

»Er hatte das Dschingeling der Eingangstür seiner Buchhandlung gehört. Er rückte ein paar Sachen auf seinem Schreibtisch zurecht und wartete.«

Und schon ist man da: am Anfang und zugleich mittendrin, gefangen und gespannt. Wie Kashmir oder Seide schmiegt sich die Prosa des jungen Schriftstellers an unsere Haut und wir können es kaum erwarten, weiter zu lesen. Und je mehr man liest, nein, es verschlingt, dieses Buch, so hat man das Gefühl sich selbst zügeln zu müssen, weil jedes einzelne der Wörter seinen Platz und seine Bedeutung hat.

Wir folgen dem Buchhändler ohne Namen, weil er keinen braucht, durch seinen Tag. Erfahren von seinen Träumen, Sehnsüchten und liebenswerten Eigenheiten. So kommuniziert er mit seinen Geschwistern nur per herausgerissenen Buchseiten. Die, einmal zusammengesetzt, sicher das Buch seines Lebens ergeben würden... denkt er.

Überhaupt, die Bücher. Der Buchhändler lebt sie und atmet sie und hat sie alle, allesamt gelesen, wieder und wieder und so schließt er seine Buchhandlung auch niemals ab, weil er es nicht ertragen könnte, wenn ein verzweifelter Kunde vor verschlossener Tür stände. Auch Gott kommt ab und zu zu Besuch und verschwindet dann wieder.

Régis de Sá Moreira schafft es in seinem Roman, nicht nur das geheime Leben der Bücher, sondern auch unser eigenes, geheimnisvolles Leben zu beschreiben, seine Flüchtigkeit, seine Besonderheit, seine Schönheit.

Deshalb mein Rat: Kaufen Sie sich kein neues Kleidungsstück, kaufen Sie dieses Buch! Es macht glücklich, schön und wärmt Sie wie ein warmer Pullover an kalten, sehnsüchtigen Tagen und Abenden! Versprochen!

Die 173 Seiten lange Taschenbuchausgabe von "Das geheime Leben der Bücher" ist im Droemer Knaur Verlag erschienen und kostet 7,95 Euro.

Wiegenliederprojekt SWR

Wiegenliederprojekt SWR

Das Singen von Schlafliedern ist eines der schönsten abendlichen Rituale mit kleinen Kindern. Doch in der heutigen schnelllebigen Zeit oft vergessen. Gut dass sich Musiker gefunden haben, die in Zusammenarbeit mit dem SWR, dem Carus sowie Reclam Verlag und der Zeit eine Sammlung von Schlafliedern veröffentlicht haben. Das Buch trägt den Titel "Wiegenlieder" und beinhaltet auch eine CD zum Mitsingen auf der die Lieder mit Geige und Klavier eingespielt sind, um die Sänger zu unterstützen.

All das zudem für einen guten Zweck, jeweils 2 Euro kommen der Stiftung "Herzenssache" zu Gute. Die Spenden, die hier zu Stande kommen, sollen Kindern den Zugang zur Musik erleichtern bzw. fördern. Damit werden also eine Vielzahl von Projekten unterstützt.

Das "Wiegenlieder" Buch enthält 42 der schönsten deutschen Wiegen und Schlaf-Lieder, die den Reichtum unserer Musikkultur aufzeigen.

52 Opern- und Konzertstars, wie Cornelius Hauptmann, Christoph Pregardién und Juliane Banse haben an der Aufnahme mitgewirkt. Zudem haben Sie mit tatkräftiger Unterstützung vom SWR Vokalensemble und dem Kinderchor der Staatsoper Stuttgart das Benefizkonzert unterstützt.

96.904 Euro konnte Schirmherr Lothar Späth für "Herzenssache", die Kinderhilfsaktion des Saarländischen Rundfunks und des Südwestrundfunks dabei erwirtschaften und damit das Singen mit Kindern fördern.

Und nun sind Sie an der Reihe, singen Sie ihren Kindern etwas vor und lassen Sie diese wunderbare Tradition nicht in der Versenkung verschwinden. Abgestimmt auf den Inhalt der Lieder hat der Maler Frank Walka das Buch phantasievoll und künstlerisch anspruchsvoll illustriert. Somit ist es zugleich ein fantastisches Bilderbuch.

Das Buch Wiegenlieder mit passender CD zum Mitsingen ist beim Verlag Carus und Reclam erschienen und kostet 19.90 Euro

Axel Hacke: "Alle Jahre schon wieder"

Axel Hacke: "Alle Jahre schon wieder"

Weihnachten ist einmal im Jahr und kehrt stets im Dezember pünktlich wieder. Man weiß, was auf einen zukommt. Man könnte sich darauf einstellen. Und doch stehen die meisten von uns unverhofft immer wieder vor den gleichen großen Fragen: Soll ich den Christbaum frühzeitig kaufen oder lieber in letzter Sekunde? Welche Folgen kann es haben, ein Weihnachts-Geschenk schon im September zu erwerben? Wo wird Kurti, das Meerschwein, die Zeit nach den Festtagen verbringen, wenn wir verreisen? In Axel Hackes Weihnachtsbuch "Alle Jahre schon wieder" stehen die Antworten. Ein reich gefüllter Gabentisch mit Geschichten, Satiren, Reflexionen, Dialogen, Notizen, das große Fest betreffend.

Das Buch ist bei Kunstmann erschienen und kostet 14 Euro

Der witzigste Vorleseabend der Welt

Der witzigste Vorleseabend der Welt

»Ich wollte für mein Publikum immer die Höhepunkte des literarischen Humors in einem Buch versammeln; nun im hohen Alter habe ich mir diesen Lebenstraum erfüllt« mit diesem Satz begründet Jürgen von der Lippe sein neues Buch und Hörbuch "Der witzigste Vorleseabend der Welt", das jetzt bei Eichborn erschienen ist.

Der Hawaihemdträger steht seit sieben Jahren mit "Was liest du?" vor der Kamera. Dort präsentiert er zusammen mit anderen Künstlern humoristische Literatur und konnte so die Qualität der Geschichten lange Zeit testen. Seine liebsten Glossen und Kurzgeschichten von Horst Evers, Frank Goosen, Harald Martenstein und vielen anderen hat er jetzt in "Der witzigste Vorleseabend der Welt" gesammelt und als Buch und Hörbuch veröffentlicht.

Dabei ist es natürlich am schönsten, dem zweifachen Grimmepreisträger und seinen beiden Kollegen Carolin Kebekus und Jochen Malmsheimer bei der Arbeit zu lauschen:

Um welchen Ausdruck es in dieser Horst Evers Geschichte geht, sei an dieser Stelle nicht verraten, denn das würde jegliche Spannung und Vorfreude auf die Geschichte nehmen. Am besten sie lassen sie sich von Jürgen von der Lippe in seinem Hörbuch "Der witzigste Vorleseabend der Welt" vorlesen oder lesen sie im gleichnamigen Buch selbst.

Denn wie Herr von der Lippe es schon passend formuliert hat: »Wenn sie sich mit diesen Geschichten vor ein Publikum setzen, werden Sie ahnen, warum Komödianten wie ich so verrückt auf diesen Beruf sind.«

Bethan Roberts - Köchin für einen Sommer

Bethan Roberts - Köchin für einen Sommer

Mit dem ausgezeichneten Roman "Stille Wasser" feierte Bethan Roberts 2008 ihr Debüt. Geboren in Oxford und aufgewachsen in Abingdon, lebt sie heute in Brighton. Die junge britische Autorin unterrichtet an verschiedenen Universitäten in London kreatives Schreiben. Jetzt ist ihr zweiter Roman erschienen: "Köchin für einen Sommer"- eine wunderbare Sommerlektüre.

Mit 18 Jahren entdeckte die Schriftstellerin in Venedig den Palazzo Venier die Leoni. Dieser, Mitte des 18. Jahrhundert erbaute Palast, war das italienische Wohnhaus der amerikanischen Kunstmäzenin Peggy Guggenheim. Unter den dort ausgestellten Exponaten befanden sich Bilder aus Kinderzeiten von Peggeen Vail, der Tochter aus erster Ehe. Neugierig geworden forschte Roberts nach und fand heraus, das Mutter und Tochter von 1934 bis 1937 in einem Cottage in Sussex gewohnt hatten. Davon inspiriert, entstand die Idee zum Roman.

Bethan Roberts erzählt in "Köchin für einen Sommer" eine Sommergeschichte die in Südengland, in Sussex, spielt. Die 19jährige prüde erzogene Kitty erhält eine Anstellung als Köchin in einem Künstlerhaushalt, obwohl sie gerade mal Hausmannskost zubereiten kann. Ihr amerikanische Chefin Ellen Steinberg, eine äußerst exzentrische Frau, hat sich erst kürzlich mit ihrer Tochter Geenie im malerischen Willow Cottage niedergelassen. Im Gartenhäuschen wohnt ihr Liebhaber, der sich für Karl Marx interessierende Schriftsteller George Crane, welcher sich gerade in einer unproduktive Phase befindet. Auch dessen Tochter Diana ist zu Gast. Und dann ist da noch der Gärtner...

Kitty erhält einen Einblick in das Leben der Bohème. Freizügigkeit in allen Lebensbereichen und das Ausleben der Lüste an jedem Ort und zu jeder Zeit sind selbstverständlich für Mrs. Steinberg und ihren Geliebten. Bald interessiert sich der Schriftsteller nicht mehr nur für die Hausherrin, sondern findet auch Gefallen an der jungen Köchen. Stetige Beobachter des Gefühlschaos’ sind die beiden Töchter und der Gärtner, der von einem unglücklichem Ausgang der Geschehnisse von Anfang an überzeugt ist.

Heiter, klug und frivol erzählt Roberts diese Geschichte. Jede Romanfigur wird unaufhaltsam in die leidenschaftlichen Ereignisse verwickelt. Ihr gelingt eine spannender Rückblick in die Vergangenheit. Vor allem das Auftreten der eigenwilligen und launischen Figur Ellen Steinberg ist reizvoll und gelungen. "Köchin für einen Sommer" ist wie eine warme Sommerprise vom Meer, wonnig und dennoch etwas salzig.

Erschienen im Kunstmann Verlag kostet das Buch 19,90 Euro.