Lesen bildet und bei der richtigen
Auswahl Ihrer Literatur helfen wir Ihnen ab sofort!
Geht es Ihnen auch so. Man steht im Buchladen und die Masse an Dargebotenem
erschlägt einen?
Dann lassen Sie sich von uns inspirieren. apollo radio))) Lesezeichen stellt
Ihnen Bücher mit kurzer Inhaltsangabe, wichtigen Lesehinweisen sowie Preis- und
Verlagsinformationen vor. Freuen Sie sich auf spannende Krimis, interessante Biographien,
romantische Liebesgeschichten und vieles mehr. Uns kommt alles unter die Brille und Ihnen zu Ohren.
Präsentiert von CARLSEN zum 100. Todestag von Karl May am 30. März 2012
Winnetous Geschichte kennt jeder. Aber wussten Sie schon, dass sein Schöpfer
Karl May ein tolldreister Trickbetrüger war, der zeitweise in einem stillgelegten Stollen unterkam?
Dass er als Kind blind war und geheilt wurde? Und dass er eine alte Furunkelnarbe als Spur eines
Messerstichs ausgab, um sich als Abenteurer zu inszenieren?
Christian Moser offenbart in seiner illustrierten Biografie die ganze Wahrheit
über das Leben des meistgelesenen Autors deutscher Sprache. Dabei scheint der Humorist der
Identifikation mit dem Helden ebenso zu erliegen wie einst Karl May: Erzählt wird die Geschichte
von keinem geringeren als Old Shatterhand selbst.
Erschienen ist das Buch im Carlsen Verlag und kostet 12,90 Euro.
Nach dem erfolgreichen Sammelband "Fette Prosa, starke Reime" haben die
Wortkünstler und Reimakrobaten Peter Köhler, Klaus Pawlowski und Reinhard Umbach - die erfolgreichen
Autoren nennen sich Neue Göttinger Gruppe - ihr zweites Gemeinschaftswerk veröffentlicht.
Die drei taz-Autoren begeistern mit ihrem Wortwitz und ihren satirischen
Sprachkapriolen.
"Wie alles anfing
Die Welt entstand aus einem Knall:
Das Kn flog fort. Es blieb das All."
Pawlowski und Umbach bevorzugen Gereimtes, Köhler steht die Prosa näher. Alle
beherrschen sie die Kunst des genussvollen Wortspiels, aber auch der scharf geschliffenen politischen
Pointe: ein Buch zum Kreuz- und Querlesen, zum Schmunzeln und Lachen.
Die Zeichnungen stammen von Carsten Hildebrandt.
Erschienen ist "Stramme Worte, steile Texte" im Satzwerk
Verlag und kostet 10,00 Euro
Als viele enthusiastische Fußballfans in allen Städten
Deutschlands zusammenkamen? Die Fußball Weltmeisterschaft stand vor der Tür.
Deutschland rückte zusammen. Die Menschen waren stolz auf ihre Jungs, die ihr
Land erfolgreich vertraten. Doch sofort warf man den Deutschen vor, zu viel
Nationalstolz zu entwickeln. Man habe ja in der Geschichte bereits gesehen, wozu
das führe. Darf man als Deutscher noch stolz auf sein Land sein? Oder verbietet
das einem die Vergangenheit? Gibt es überhaupt noch etwas, auf das wir Deutschen
stolz sein können?
Harald Nicolas Stazol beantwortet diese Fragen mit einer Liebeserklärung.
In seinem zweiten Buch "Ich bin gerne Deutscher". Der Journalist und freie Autor schildert
auf reichlich 200 Seiten seine Umgebung aus der Sicht eines Künstlers. Er erzählt von den Menschen aus
seinem Umkreis und von seinen Begegnungen. Der Boheme verarbeitet persönliche Erfahrungen und erläutert
zum Einen, warum es eine Ehre ist Deutscher zu sein, zum Anderen erklärt er, welche Anstrengungen es mit
sich bringt.
Stazol schafft es, den Leser in eine unbekannte Welt zu entführen. Dazu trägt auch sein
Schreibstil bei. Der gleicht einer charmanten, mit Witz versehenen Plauderei und stellt ein Gedankenexperiment
des Autors dar. Erzählerisch beschreibend und ohne ein Urteil zu fällen, ermöglicht uns Harald Nicolas Stazol
einen Blick in die Mentalität der Deutschen. Versuchte er sich durch das Schreiben des Buches selbst zu finden,
können Sie durch diese Lektüre einen eigenen Standpunkt über die Deutschen und Deutschland entwickeln. Ein
empfehlenswertes Buch für Menschen, die ohne patriotische Einstellung gerne Deutsche sind oder es werden wollen.
Ich bin gerne Deutscher - eine Liebeserklärung von Harald Nicolas Stazol ist im Plöttner
Verlag erschienen und kostet 16,90.
Warum eigentlich immer nur im Kinosessel sitzen und zusehen? Die
schönsten Dinge aus den schönsten Liebesfilmen können Sie mit diesem satirischen
Leitfaden einfach selbst erleben.
Endlich einmal am Schiffsbug verliebt die Arme ausbreiten (»Titanic«),
in einen gut aussehenden Passanten rennen, der Orangensaft transportiert (»Notting Hill«),
einem Kellner beim Wassermelonen-Tragen helfen (»Dirty Dancing«) oder sich an einem wilden
Flussufer die Haare waschen lassen (»Jenseits von Afrika«).
Alexandra Maxeiner gibt allen Filmliebhabern Empfehlungen, wie sie die
komischsten, pathetischsten und kitschigsten Momente ins eigene (Liebes)Leben übertragen können.
Die Autorin schlägt Szenen vor, die sich zum Nachspielen eignen, und warnt vor solchen, die man
lieber nicht erleben sollte; sie gibt uns die besten Zitate an die Hand; erläutert, welche Worte
zum ersten Kuss führen und rät, mit welchem Klugscheißersatz über den Film man am besten Eindruck
schinden kann.
Sie möchten gerne "Neue Leute" kennenlernen? Normalerweise würde ich Ihnen raten,
auf möglichst viele Partys zu gehen. Oder in einen Sport-Verein einzutreten. Oder Sprachkurse zu besuchen.
Jetzt kann ich Ihnen aber noch einen weiteren Weg empfehlen: Lesen Sie das Buch "Neue Leute" von Lena Hach.
Darin können Sie in 13 Kurzgeschichten die "Neuen Leute" kennen-lernen, die Ihnen
die Autorin im Titel verspricht. Lena Hach hat nach dem Abitur zuerst eine Schule für Clowns besucht.
Anschließend studierte sie Germanistik und Anglistik in Frankfurt am Main und in Berlin.
Wer ihre Geschichten liest, glaubt manchmal, den Clown heraushören zu können. Die Freude und das Staunen,
die ein Clown auch kleinen Dingen entgegenbringt. Sie sind auch in diesen Geschichten präsent.
Lena Hach erzählt in ihren Kurzgeschichten von ganz verschiedenen Menschen und ihren
alltäglichen Erlebnissen: Von einem Mädchen, das nicht alleine Kirschen aus dem Keller holen möchte und
deshalb seine kleine Schwester besticht, damit sie mitkommt. Von einem Mann mit einer ungewöhnlichen
Sammelleidenschaft. Von einer Kartoffelkönigin, von einem Neugeborenen mit australischem Namen, einem
stillen Opa, und einem Käpt´n ohne Meer. Von einer Telefonkabelschlange, jeder Menge Polaroidfotos und
einem Köpper, der noch gelernt werden muss.
Lena Hachs Kurzgeschichten zeigen den Alltag ihrer Figuren als eine Welt der kleinen
und großen Wunder. Dabei erzählt sie so schwebend leicht und komisch, dass man gerne noch mehr "Neue Leute"
kennen lernen würde. Vielleicht gibt es ja bald eine Fortsetzung?
13 Kurzgeschichten von Lena Hach: "Neue Leute". Erschienen im Plöttner Verlag. Das
Buch kostet 13,90.
Eine realistische Kindergeschichte aus dem letzten Jahrzehnt der DDR -
einfühlsam und spannend erzählt. Wer ist "Kohle" eigentlich? Ein Taugenichts, der in einem
Abrisshaus lebt oder verbirgt der Sonderling nur geschickt ein Geheimnis? Die Kinderbande
"Die Feuerbälle", die "Kohle" neugierig beobachtet, macht jedenfalls eine bestürzende Entdeckung...
Aber das ist noch nicht alles. Denn auch das Leben von Tobias gerät aus den Fugen, als seine Eltern
einen Ausreiseantrag stellen! Schauplatz dieser Geschichte ist Leipzig in der Endphase der DDR. Fünf
Kinder erleben ein ganz besonderes Abenteuer - und erfahren gleichzeitig, wie sehr sich die Wirklichkeit
verändern kann, wenn man sie aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Begleitend zu der Geschichte
erläutern Kästchen im Fließtext wichtige Begriffe aus dem Alltag der DDR wie Pioniere oder Staatssicherheit.
Für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.
"Die Feuerbälle - Die Abenteuer einer Kinderbande in Ostdeutschland" von Juliane Breinl
ist im Verlag Sankt Michaelisbund erschienen und kostet 12,90
Wie ein Mann jenseits der 50 mitten in der Nacht aufsteht, zum Computer wankt,
um nach Prostatabeschwerden zu googeln. Bei dem Schlaflosen handelt es sich um den bekannten britischen
Autor Tim Parks. Er studierte in Cambridge und Harvard und lehrt zur Zeit literarische Übersetzung
in Mailand. Sein neues Buch ist anders als seine Vorgänger. In "Die Kunst stillzusitzen. Ein Skeptiker
auf der Suche nach Gesundheit und Heilung" dreht sich alles um Urinproben und Prostataprobleme.
Trotz aller Zweifel weckt das Buch Interesse.
Zu Recht. Tim Parks verlässt die gewohnten Bahnen und schreibt nun über sich selbst. Er spricht über
seine Prostatabeschwerden und über Unterleibsschmerzen. Bald konnte er am Computer nur noch im Stehen
schreiben. Tim Parks zog sich von Freunden und Bekannten zurück, weil Geselligkeit meist Sitzen bedeutet.
Nachts musste er immer häufiger auf Toilette, so dass die Nächte praktisch schlaflos waren. Sein Buch
erzählt, wie er auf Flugreisen drei verschiedene Bordtoiletten benutzte, damit niemand merkte, wie oft
er ging. Wie er den Kaffee wegließ und den Alkohol, wie er sich in Sport stürzte, ohne Zeichen der Besserung.
Die Ärzte tippten auf eine vergrößerte Prostata. Die Sache musste behandelt werden.
Ein, man könnte fast sagen, Spießrutenlauf beginnt. Komplizierte Tests, gesündere Ernährung, mehr Sport.
Doch alles ohne Erfolg. Die Spezialisten entdeckten nichts, was die Schmerzen erklären konnte. Doch Tim
Parks ging es immer schlechter. Alles Einbildung?
Doch was tun, wenn die Schulmedizin keinen Rat mehr weiß, man aber alternativen
Heilmethoden eher skeptisch gegenüber steht? Mit einem Selbsthilfebuch ging Tim Parks den Schmerzen
auf den Grund. Sollte er am Ende selbst die Schmerzen ausgelöst haben? Er, der immer grübelt und sich
nicht entspannen kann. Immer unter Strom, hängt er verkrümmt auf seinem Stuhl und schreibt seine Bücher.
Tim Parks war verspannt und zwar bis ins Innerste. Und nun musste er loslassen, musste Geist und Körper
wieder zusammenbringen. Das ausgerechnet Meditation Heilung bringt, damit hätte Tim Parks nie gerechnet.
Parks Werk scheint ein klassisches Männerbuch zu sein. Aber es ist vielmehr.
Gespickt mit Lebensweisheiten, die auch Frauen helfen. Mit "Die Kunst Stillzusitzen" veröffentlicht
Parks, ein offenes, ehrliches und schonungsloses Buch. Und das Beste: Sie profitieren von seinen Erfahrungen.
Doch keine Angst, Parks versinkt keinesfalls in Selbstmitleid.
Auch in seinem wohl persönlichsten Buch darf der schwarze Humor nicht fehlen.
Tim Parks: Die Kunst Stillzusitzen. Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung.
Kunstmannverlag, ISBN: 978 - 3 888 976 803. Mehr Informationen unter: www.kunstmann.de
Schon der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini wusste: »Was mich
in Worten gelehrt wurde, kann ich mit einiger Anstrengung vergessen. Aber ich könnte nie
vergessen, was mich die Dinge gelehrt haben.«
Und wie ist das bei Ihnen?
Denken Sie manchmal über Wäscheklammern nach?
Wasserwaagen?
Salzstreuer?
Donata Elschenbroich, Literaturwissenschaftlerin und Musikerin, hat sich mit
diesen Fragen in ihrem neuen Buch auseinandergesetzt. "Die Dinge. Expeditionen zu den Gegenständen
des täglichen Lebens", so lautet der Titel.
Donata Elschenbroich gilt als Expertin für Bildung in den frühen Jahren, arbeitete
am Deutschen Jugendinstitut und produzierte mit Otto Schweitzer zahlreiche Filme zum Thema Weltwissen.
Die Autorin will Sie zum Nachdenken anregen. Sie verdeutlicht die Selbstverständlichkeit,
mit der wir den alltäglichen "Helferlein" gegenübertreten. Denn, geben Sie es zu - Ihren eigentlichen
Wert haben Sie dabei schon aus den Augen verloren.
In der spontanen Sammlung "bedeutender Dinge" zeigt beispielsweise der
Flummi, wieviel Bewegung in der Welt steckt. Besonders bemerkenswert ist die Rolle des Taschentuchs:
Es ist universell einsetzbar für Schnupfen, Nasenbluten, verletzte Hände, Ellenbogen oder Knie.
In ein Taschentuch kann man hinein weinen oder drauf beißen um das Weinen zu
unterdrücken. Ein Knoten im Taschentuch dient als Gedächtnisstütze. Und auch zum Abschied winkt
man damit.
Donata Elschenbroich stößt Sie auf den Wert der Dinge, die uns tagtäglich
umgeben. Erwachsene denken eher pragmatisch: der Kugelschreiber muss funktionieren, das Maßband
ist selbstverständlich und Werkzeuge gehören eben zwangsläufig in jeden Haushalt. Und eine
Wäscheklammer ist nun wirklich nichts Besonderes. Wie aber sehen Kinder die Welt der Dinge? Kinder
denken nicht an "Funktionen" und "Nutzen". Überhaupt müssen sie verschiedenste
Gegenstände, die für uns banal erscheinen, erst entdecken.
Warum also teures Spielzeug kaufen, wenn es im Haushalt doch so viel zu entdecken
gibt? Aus all diesen Überlegungen ist ein faszinierendes Bildungsprojekt entstanden.In Baden-Württemberg.
In einigen der 33 Bildungshäusern gibt es seit kurzem Weltwissen-Vitrinen, in denen Alltagsgegenstände
ausgestellt sind. Ob Instrument, Werkzeug, ob Dübel, Nudelholz oder Locher - dem "Weltwissen" sind
keine Grenzen gesetzt. Eltern können sich gemeinsam mit ihren Kindern Gegenstände ausleihen und
zu Hause auf Erkundungsreise gehen.
Donata Elschenbroich: Die Dinge. Expeditionen zu den Gegenständen des täglichen
Lebens. Kunstmann Verlag, München 2010. Mehr Informationen unter
www.kunstmann.de.
Alle bewundern es, doch ich hatte Angst vor diesem Buch. Der Titel verspricht
einige schlaflose Nächte, dachte ich. Unter dieser furchterregenden Sonne. Das Romandebüt des
argentinischen Schriftstellers Carlos Busqued. Ich hatte Angst, dass, wenn ich die ersten Seiten
aufschlage, giftige Insekten heraus krabbeln und mich aus ihren stecknadelgroßen glitzernden Augen
bitterböse anstarren. Mich, die Beute, taxieren. Denn die Welt, die Carlos Busqued zeichnet, ist
gefährlich.Für Mensch und Tier.
Cetarti, so der Name der Hauptfigur, verbringt seine Tage in einen warmen,
grünen, alles vergessen machenden Nebel gehüllt auf der Couch, und schaut Dokumentationen über
Riesenkraken und Kriege. Als sein Telefon klingelt, ist von dieser Welt nicht mehr viel übrig.
Er muss sie verlassen, in seine Heimatregion, den Chaco reisen, um seine tote Mutter und seinen
toten Bruder zu identifizieren. Der Mörder ist der Lebensgefährte der Mutter, der sich anschließend
selbst erschoss. Die Geschichte klingt stark nach Quentin Tarantino, jedoch ohne seinen Humor.
Alle Schönheit, alle Menschlichkeit, verbrennt in der furchterregenden Sonne des Chaco. Autor
Carlos Busquez sagte dazu in einem Interview:
»Schönheit ist ein existentielles Konzept, über das man diskutieren kann,
wenn man über das menschliche Wesen spricht. Es wie in diesem Film "I walked with a zombie", in dem
ein Darsteller sagt: "Ihnen kommt das schön vor, weil sie es nicht verstehen: Der Glanz des
Wassers ist das Spiegelbild des Mondes auf Millionen von toten Mikroorganismen, die fliegenden
Fische springen aus Verzweiflung, weil unter ihnen jemand sie fressen will".»
Doch Cetarti ist nicht allein im Chaco, ihm zur Seite steht Duarte,
der zwielichtige "Testamentsvollstrecker" in Anführungszeichen. Mehr und mehr wird klar,
in welcher Verbindung er zu dem Mörder von Cetartis Familie steht. Doch auch die Frage nach
Verbrechen, Schuld und Sühne versinkt in dem grässlichen, braunen Schlamm, der Cetartis
Heimatdorf zu verschlingen droht. Wie die Diktatur Argentinien einst verschlang.
Carlos Busqued hat eine Faszination für das Abgründige.
Diese Faszination lebt er in selbstproduzierten Radioprogrammen aus. Er verrät:
»Ein Programm zum Beispiel, das ich viele Jahre lang gemacht
habe, nannte sich "Vidas Ejemplares" (Vorbildliche Leben). In dem Format ging es um
die Lebensgeschichten von Serienmördern, Paranoiden, sozial ausgegrenzte und allgemeine kranke
Personen. Später machte ich eine Reihe von Programmen, die unterschiedliche Namen [...] aber
immer das gleiche Format hatten: Eine Mischung aus Literaturtexten, Fälle aus der psychiatrischen
Anstalt und verschiedenem Schund.«
Cetarti, der Name des Helden, erinnert ein wenig an das spanische
"Cetaria", was übersetzt Fischteich bedeutet .In dem Teich, den Busqued mit seinem Debüt
aushebt, tummeln sich allerdings keine niedlichen Guppies, eher wohnen darin gefährliche
Riesenkraken und Haie, die immer wieder nach den Beinen des Lesers schnappen, wenn er sie
allzu selbstvergessen über den Rand des Wassers baumeln lässt.
"Unter Dieser Furchterregenden Sonne" von Carlos Busqued ist im Kunstmann
Verlag erschienen, hat 192 Seiten und kostet im Handel 17,90 Euro.
Der Alltag kann manchmal ganz schön trist sein: Tag für Tag vergeht in der immer gleichen
Monotonie, ohne Abwechslung ohne Überraschungen.
Anders in "Verkehrte Welt", dem neuen Buch von Jürgen von der Lippe und Monika
Cleves. Das Autorenduo nahm in seiner Veröffentlichung "SieundEr. Botschaften
aus parallelen Universen" und in dessen Fortsetzung "Noch viel mehr von SieundEr"
die Kluft zwischen Mann und Frau unter die Lupe. Nun blicken sie ein bisschen
tiefer in unser Alltagsleben.
Seit sieben Jahren moderiert der Entertainer Jürgen von der Lippe die
Comedy-Literatursendung "Was liest du?". Mit seinen Gästen stellt er humorvolle
Bücher vor, die in Zeiten von PC, Fernsehen und Blockbusterfilmen wieder Lust
auf lesen machen sollen. Seit mehr als 12 Jahren arbeitet er mit Monika Cleves
zusammen. Ihr Schaffen scheint sich als sehr fruchtbar zu erweisen. Mit ihren
Büchern, die sie auch als Hörbücher publizieren, touren sie unabhängig von
Lippes Soloauftritten durch Deutschland.
Der Titel "Verkehrte Welt" ist Programm: In gemeinsamer Arbeit entstanden spritzige
Geschichten um Alltäglichkeiten, die allzu oft in unerwartete Wendungen müden.
Sie spielen mit Erwartungen und brechen sie zugleich. Denn wie heißt es so schön:
Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt... Da entpuppt sich die
Indianergeschichte als Tagtraum, der Bankräuber ist der Herr Beck aus dem
Volkshochschulkurs und die heilige Jungfrau Maria geht bei Udo Walz Haare
schneiden.
Die Protagonisten in den 52 Kurzgeschichten aus "Verkehrte Welt" sind oft
Typen, Figuren wie der Nachbar von nebenan oder die Frau in der Warteschlange
vor uns. Erzählt wird von unerwarteten Begegnungen, von Fettnäpfchen und dem
Unangenehmen - also von alldem, was wir sonst lieber verschweigen. Und das
alles pointenreich und mit einem gewissen Augenzwinkern. Das entschuldigt
vielleicht auch die Tatsache, dass die Geschichten ab und zu ins Vulgäre
abrutschen.
Jürgen von der Lippe und Monica Cleves zeigen in "Verkehrte Welt", dass die
witzigsten Geschichten eben doch im Alltag passieren. Buch und Hörbuch sind
bei eichborn erschienen und kosten jeweils 14,95.
Nina Hagen schreibt ein Buch. Daran ist nichts Ungewöhnliches. Sie ist
dafür bekannt, immer wieder neue Ufer zu suchen. Nun eben die Literatur. Und Literatur
bekommt der Leser en masse, in ihrer Autobiografie "Bekenntnisse". Nina Hagen serviert
ein duftendes Gericht aus surrealer Poesie, Erinnerungsfetzen und lustigen Geschichten.
Gewürzt mit Humor, Lebenslust und Wortgewalt.
Wortgewaltig geht’s gleich los:
»Als Reiter auf dem Sturm der Geburtswehen unserer Mütter werden
wir geboren und auf diese Erde geworfen, ohne dass wir uns aussuchen können, wie oder wann
oder wo. Waaahnsinn! Und warum? Weil wir geliebte Kinder eines lebendigen Gottes sind. Wir
kommen hier ans Licht der Welt als unglaublich süße, kleine, schutzbedürftige Menschenwesen.«
Das kleine Menschenwesen Nina erinnert sich. Wie sie in den Märztagen
1955 als Catharina Hagen in Berlin Friedrichshain auf die Welt kommt, »geboren auf den Ruinen
eines schlimmen Weltkrieges, geboren durch die Lust und den Lebenswillen meiner Eltern«. Ihre
Eltern, Hans Oliva und Eva Maria lernten sich in einem Berliner Club kennen.
Für die Ideologie der Nazis floß das falsche Blut durch die Adern der Familie
ihres Vaters. Levi hießen sie, bis der Urgroßvater die Heirat mit einer christlichen Frau nutzte,
um den Familiennamen Hagen zu führen. Trotzdem kam die Herkunft heraus und Ninas Großvater musste
im Zuchthaus dafür sterben, »dass es ein Attentat auf den Nazigranden Reinhard Heydrich geben hatte.«
Nina erinnert sich. Wie ihre Mutter Eva Maria Hagen, geborene Buchholz,
bekannte Schauspielerin, Sängerin, Malerin und Autorin; von einem Jungen geträumt hatte und
dass ihre Geburt kein Zuckerschlecken war. Während der Entbindung dachte sie: »Einer von uns
beiden überlebt die Prozedur nicht, vielleicht keiner.« Und dann, als Nina da war, »war die
Erde das Paradies«.
So wandelt der Leser gemeinsam mit Nina Hagen durch die Gärten ihrer Erinnerungen.
Und weil es Nina Hagen ist, sind dort die Bäume blau, die Vögel rot und das Gras gelb. Bunt, wie ihre
Haare, wie ihre grell geschminkten Lippen. Man erfährt, wie sich die junge Nina emanzipiert, wie sie
den Punk, den Sex, den Rock'n'Roll und die Liebe zu Gott entdeckt.
Viele private Fotos machen das Buch und ihre Geschichte lebendig und
am Ende ist man Nina Hagen, der Frau von Welt, dankbar, dass sie den Leser mitnimmt in ihr
ganz persönliches Universum. Denn, sie verrät, was sie sich wirklich wünscht:
»[S]ingen, singen, singen... und einfach glücklich sein, wie ich so
einige schöne Male in meinem Leben glücklich war, wenn ich singen durfte und im Herzen
verstanden wurde.«
Nina Hagens "Bekenntnisse" umfassen 291 Seiten, sind im Pattloch
Verlag der Verlagsgruppe Drömer Knaur erschienen und kosten im Handel 18 Euro. Natürlich können
Sie das Buch auch hier bestellen!
Das soll eine Wirtschaftskrise (gewesen) sein?! Darüber können
erfahrene Not-Berater nur lachen. Wer sich vorbereiten will
auf das harte Leben nach einer echten Krise, ist mit
dem Notbuch gut bedient. Die Texte des Notbuches stammen von Michael
Kernbach und die Illustrationen, sowie die Musik aud beigelegter Not CD
von Luci van Org, die vor Jahren mal froh war, ein Mädchen zu sein.
Dieser satirische Ratgeber der beiden bietet wertvollen Rat in Wort
und Bild. Damit die Stimmung auch in der Not gut bleibt, schneidern
wir uns Abendroben aus Jutesäcken, strecken das Ciabatta-Brot mit
Sägemehl, basteln Weihnachtsschmuck aus Wohlstandsmüll und lehren
unsere Kinder das Herstellen von Ameisenkonfitüre mithilfe ihrer fleißigen Füßchen.
In den vier Abschnitten des Notbuches geht es um: das Überleben zu Hause,
mit Familie, in der Ferne und mit Erkrankungen und Beschädigungen.
Zum Beispiel lernt man, wie vielseitig eine Rolle Alufolie zu verwenden ist.
Und auch das passende Tischgebet für die Welt nach dem Geld findet man im Notbuch:
Sag, was wahr ist
Trink, was klar ist
Iss, was da ist.
In diesem Sinne kann mit dem Notbuch von Michael Kernbach und Luci
van Org die Krise kommen, denn sie sind garantiert gewappnet,
wenn sie 16,90 investieren, um das im Carlsen Verlag erschienene Notbuch zu bestellen.
Régis de Sá Moreira: "Das geheime Leben der Bücher"
»Tausende Kilometer von dem Ort entfernt, an dem
Sie sich befinden, in einem Land, in einer Stadt, in einer von
vielen Buchhandlungen schlug ein Buchhändler die Augen auf«.
So beginnt er, der Roman "Das geheime Leben der Bücher" von Regis
de Sa Moreira, Sohn einer Französin und eines Brasilianers, geboren 1973, wohnhaft in Paris.
»Er hatte das Dschingeling der Eingangstür seiner Buchhandlung gehört.
Er rückte ein paar Sachen auf seinem Schreibtisch zurecht und wartete.«
Und schon ist man da: am Anfang und zugleich mittendrin, gefangen
und gespannt. Wie Kashmir oder Seide schmiegt sich die Prosa des
jungen Schriftstellers an unsere Haut und wir können es kaum erwarten,
weiter zu lesen. Und je mehr man liest, nein, es verschlingt, dieses
Buch, so hat man das Gefühl sich selbst zügeln zu müssen, weil jedes
einzelne der Wörter seinen Platz und seine Bedeutung hat.
Wir folgen dem Buchhändler ohne Namen, weil er keinen braucht, durch
seinen Tag. Erfahren von seinen Träumen, Sehnsüchten und liebenswerten
Eigenheiten. So kommuniziert er mit seinen Geschwistern nur per
herausgerissenen Buchseiten. Die, einmal zusammengesetzt, sicher das
Buch seines Lebens ergeben würden... denkt er.
Überhaupt, die Bücher. Der Buchhändler lebt sie und atmet sie und hat
sie alle, allesamt gelesen, wieder und wieder und so schließt er seine
Buchhandlung auch niemals ab, weil er es nicht ertragen könnte, wenn
ein verzweifelter Kunde vor verschlossener Tür stände. Auch Gott kommt
ab und zu zu Besuch und verschwindet dann wieder.
Régis de Sá Moreira schafft es in seinem Roman, nicht nur das geheime
Leben der Bücher, sondern auch unser eigenes, geheimnisvolles Leben zu
beschreiben, seine Flüchtigkeit, seine Besonderheit, seine Schönheit.
Deshalb mein Rat: Kaufen Sie sich kein neues Kleidungsstück, kaufen Sie
dieses Buch! Es macht glücklich, schön und wärmt Sie wie ein warmer Pullover
an kalten, sehnsüchtigen Tagen und Abenden! Versprochen!
Die 173 Seiten lange Taschenbuchausgabe von "Das geheime Leben der Bücher"
ist im Droemer Knaur Verlag erschienen und kostet 7,95 Euro.
Das Singen von Schlafliedern ist eines der schönsten abendlichen Rituale mit
kleinen Kindern. Doch in der heutigen schnelllebigen Zeit oft vergessen. Gut
dass sich Musiker gefunden haben, die in Zusammenarbeit mit dem SWR, dem Carus
sowie Reclam Verlag und der Zeit eine Sammlung von Schlafliedern veröffentlicht
haben. Das Buch trägt den Titel "Wiegenlieder" und beinhaltet auch eine CD zum
Mitsingen auf der die Lieder mit Geige und Klavier eingespielt sind, um die
Sänger zu unterstützen.
All das zudem für einen guten Zweck, jeweils 2 Euro kommen der
Stiftung "Herzenssache" zu Gute. Die Spenden, die hier zu Stande kommen,
sollen Kindern den Zugang zur Musik erleichtern bzw. fördern. Damit
werden also eine Vielzahl von Projekten unterstützt.
Das "Wiegenlieder" Buch enthält 42 der schönsten deutschen Wiegen und
Schlaf-Lieder, die den Reichtum unserer Musikkultur aufzeigen.
52 Opern- und Konzertstars, wie Cornelius Hauptmann, Christoph
Pregardién und Juliane Banse haben an der Aufnahme mitgewirkt. Zudem
haben Sie mit tatkräftiger Unterstützung vom SWR Vokalensemble und dem
Kinderchor der Staatsoper Stuttgart das Benefizkonzert unterstützt.
96.904 Euro konnte Schirmherr Lothar Späth für "Herzenssache", die Kinderhilfsaktion
des Saarländischen Rundfunks und des Südwestrundfunks dabei erwirtschaften
und damit das Singen mit Kindern fördern.
Und nun sind Sie an der Reihe, singen Sie ihren Kindern etwas vor und
lassen Sie diese wunderbare Tradition nicht in der Versenkung verschwinden.
Abgestimmt auf den Inhalt der Lieder hat der Maler Frank Walka das Buch
phantasievoll und künstlerisch anspruchsvoll illustriert. Somit ist es
zugleich ein fantastisches Bilderbuch.
Das Buch Wiegenlieder mit passender CD zum Mitsingen ist beim
Verlag Carus und Reclam erschienen und kostet 19.90 Euro
Weihnachten ist einmal im Jahr und kehrt stets im Dezember pünktlich
wieder. Man weiß, was auf einen zukommt. Man könnte sich darauf einstellen.
Und doch stehen die meisten von uns unverhofft immer wieder vor den
gleichen großen Fragen: Soll ich den Christbaum frühzeitig kaufen oder
lieber in letzter Sekunde? Welche Folgen kann es haben, ein
Weihnachts-Geschenk schon im September zu erwerben? Wo wird
Kurti, das Meerschwein, die Zeit nach den Festtagen verbringen,
wenn wir verreisen? In Axel Hackes Weihnachtsbuch "Alle Jahre
schon wieder" stehen die Antworten. Ein reich gefüllter
Gabentisch mit Geschichten, Satiren, Reflexionen, Dialogen,
Notizen, das große Fest betreffend.
Das Buch ist bei Kunstmann erschienen und kostet 14 Euro
»Ich wollte für mein Publikum immer die Höhepunkte des literarischen Humors
in einem Buch versammeln; nun im hohen Alter habe ich mir diesen Lebenstraum
erfüllt« mit diesem Satz begründet Jürgen von der Lippe sein neues Buch
und Hörbuch "Der witzigste Vorleseabend der Welt", das jetzt bei Eichborn
erschienen ist.
Der Hawaihemdträger steht seit sieben Jahren mit "Was liest du?" vor der
Kamera. Dort präsentiert er zusammen mit anderen Künstlern humoristische
Literatur und konnte so die Qualität der Geschichten lange Zeit testen.
Seine liebsten Glossen und Kurzgeschichten von Horst Evers, Frank Goosen,
Harald Martenstein und vielen anderen hat er jetzt in "Der witzigste
Vorleseabend der Welt" gesammelt und als Buch und Hörbuch veröffentlicht.
Dabei ist es natürlich am schönsten, dem zweifachen Grimmepreisträger
und seinen beiden Kollegen Carolin Kebekus und Jochen Malmsheimer bei
der Arbeit zu lauschen:
Um welchen Ausdruck es in dieser Horst Evers Geschichte geht, sei an
dieser Stelle nicht verraten, denn das würde jegliche Spannung und
Vorfreude auf die Geschichte nehmen. Am besten sie lassen sie sich
von Jürgen von der Lippe in seinem Hörbuch "Der witzigste Vorleseabend
der Welt" vorlesen oder lesen sie im gleichnamigen Buch selbst.
Denn wie Herr von der Lippe es schon passend formuliert hat: »Wenn
sie sich mit diesen Geschichten vor ein Publikum setzen, werden Sie
ahnen, warum Komödianten wie ich so verrückt auf diesen Beruf sind.«
Mit dem ausgezeichneten Roman "Stille Wasser" feierte
Bethan Roberts 2008 ihr Debüt. Geboren in Oxford und aufgewachsen in Abingdon, lebt
sie heute in Brighton. Die junge britische Autorin unterrichtet an verschiedenen
Universitäten in London kreatives Schreiben. Jetzt ist ihr zweiter Roman erschienen:
"Köchin für einen Sommer"- eine wunderbare Sommerlektüre.
Mit 18 Jahren entdeckte die Schriftstellerin in Venedig den Palazzo
Venier die Leoni. Dieser, Mitte des 18. Jahrhundert erbaute Palast, war das italienische
Wohnhaus der amerikanischen Kunstmäzenin Peggy Guggenheim. Unter den dort ausgestellten
Exponaten befanden sich Bilder aus Kinderzeiten von Peggeen Vail, der Tochter aus
erster Ehe. Neugierig geworden forschte Roberts nach und fand heraus, das Mutter
und Tochter von 1934 bis 1937 in einem Cottage in Sussex gewohnt hatten. Davon
inspiriert, entstand die Idee zum Roman.
Bethan Roberts erzählt in "Köchin für einen Sommer" eine
Sommergeschichte die in Südengland, in Sussex, spielt. Die 19jährige prüde erzogene
Kitty erhält eine Anstellung als Köchin in einem Künstlerhaushalt, obwohl sie
gerade mal Hausmannskost zubereiten kann. Ihr amerikanische Chefin Ellen Steinberg,
eine äußerst exzentrische Frau, hat sich erst kürzlich mit ihrer Tochter Geenie
im malerischen Willow Cottage niedergelassen. Im Gartenhäuschen wohnt ihr
Liebhaber, der sich für Karl Marx interessierende Schriftsteller George Crane,
welcher sich gerade in einer unproduktive Phase befindet. Auch dessen Tochter
Diana ist zu Gast. Und dann ist da noch der Gärtner...
Kitty erhält einen Einblick in das Leben der Bohème. Freizügigkeit
in allen Lebensbereichen und das Ausleben der Lüste an jedem Ort und zu jeder Zeit
sind selbstverständlich für Mrs. Steinberg und ihren Geliebten. Bald interessiert
sich der Schriftsteller nicht mehr nur für die Hausherrin, sondern findet auch
Gefallen an der jungen Köchen. Stetige Beobachter des Gefühlschaos’ sind die
beiden Töchter und der Gärtner, der von einem unglücklichem Ausgang der
Geschehnisse von Anfang an überzeugt ist.
Heiter, klug und frivol erzählt Roberts diese Geschichte. Jede Romanfigur
wird unaufhaltsam in die leidenschaftlichen Ereignisse verwickelt. Ihr
gelingt eine spannender Rückblick in die Vergangenheit. Vor allem das
Auftreten der eigenwilligen und launischen Figur Ellen Steinberg ist reizvoll
und gelungen. "Köchin für einen Sommer" ist wie eine warme Sommerprise vom
Meer, wonnig und dennoch etwas salzig.
Erschienen im Kunstmann Verlag kostet das Buch 19,90 Euro.