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Eile mit Feile. CD.
Wer Jandl bis jetzt nicht kennt, der kennt Ihn doch, weiß es nur nicht!
Oder haben Sie noch nie von "Ottos Mops" gehört? In diesem Audiobook kann
man dieses, wie viele andere Gedichte, vom Meister selbst gesprochen,
finden. Viele Gedichte des Österreichers entwickeln Ihre Kraft erst
nach mehrfachem Lesen oder Hören. Nicht selten tritt nach kurzer Zeit beim
Zuhörer ein Stimmungswandel ein. Lustig zusammengewürfelte Wörter lassen im
nachhinein Böses ahnen, hört man genauer hin. Wer könnte die Gedichte
besser vortragen als der Autor selbst? Jandl gibt seinen Gedichten dadurch
eine zusätzliche Dimension. Besonders in der Sammlung von Jandl-Fans
sollte diese Kassette nicht fehlen. Denn wer möchte bei einem Gedicht
nicht wissen, wie es der Autor vorgetragen hätte. Aber Vorsicht! Ich rate
nicht dazu, die Gedichte während einer Autofahrt zu hören, zu viel könnte
einem auf diese Weise entgehen! Wenn doch, kann man die Kassette ja immer
wieder anhören. --Kai Rühl
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Der Zauberlehrling. CD.
Wer anders als Rufus Beck könnte die Erzählung vom Zauberlehrling für
Kinder so faszinierend lesen? Als brillanter Interpret von Harry Potter
ist Beck hier gleichsam in seinem Zauber-Element! Die 1969 erschienene
Prosa-Bearbeitung der Zauberlehrling-Ballade von Barbara Hazen
unterscheidet sich nur wenig von der weltberühmten Vorlage, die am Ende
auch von Rufus Beck vorgetragen wird. Also: Humboldt, der Zauberlehrling,
soll, während sein Meister auf einem Magiertreffen ist, das Schloss in
Ordnung halten. Doch faul, wie er nun mal ist, sieht er nicht ein,
Wassereimer zu schleppen. Sein Meister hat den Schlüssel vergessen, also
greift er zum Zauberbuch. Und der Spruch Alter Besen, dein Meister
spricht: Komm aus der Ecke und tu meine Pflicht. bewirkt sofort,
dass die Zauberkräfte für ihn arbeiten: Der Besen tanzt wie von
Geisterhand und schleppt Wasser ins Schloss. Aber Humboldt kann ihn nicht
mehr stoppen ... Der Dichterfürst Goethe schrieb die Ballade
Der Zauberlehrling im Jahr 1797. Barbara Hazen schreibt
vorwiegend für Kinder und Jungendliche; bis heute hat sie über 50 Bücher
veröffentlicht. Die Amerikanerin wurde für ihre Arbeit vielfach geehrt.
Rufus Beck ist ein wunderbarer Sprecher. Seine unverkennbaren
Interpretationen sind unglaublich virtuos. Beck studierte Islamistik,
Philosophie und Ethnologie, ehe er sich der Schauspielerei zuwandte. Von
1998 bis 1995 war er festes Mitglied am Staatsschauspiel in München. Er
spielte an den Münchner Kammerspielen und am Berliner Ensemble.
Gelegentlich spielt er auch im Fernsehen (z. B. Derrick oder
Inspektor Rolle). Eine Produktion des Bayerischen Rundfunk 1999.
Lesung, Spieldauer: ca. 20 Minuten, 1 CD. -- culture.text
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Am Südpol, denkt man, ist es heiß. CD. . Gelesen von der Autorin. CD in Pinguin-Form
Rätselhaft war es schon immer, warum ausgerechnet die Pinguine in der
Natur so bevorzugt mit ihrem Äußeren behandelt worden sind, denn immerhin
gehen sie von frühester Kindheit an im Frack. Elke Heidenreich ging
zusammen mit dem Illustrator Quint Buchholz diesem Rätsel auf die Spur und
jetzt gibt es glücklicherweise keine Ungereimtheiten mehr. So aufgebretzelt
stehen sie alle auf ihren Eisschollen, weil sie darauf warten, daß das
Opernschiff aus Wien bei ihnen am Südpol um die Eisberge biegt. Lange
bevor es Station macht, sind schon Plakate zu sehen und in den
Pinguinfamilien geht es ganz ähnlich zu, wie bei den Menschen. Wann gehen
wir hin? Wer besorgt am besten die Karten? Klein-Lotti, die Tochter des
Hauses, interessiert sich überhaupt nicht für Opern und möchte eigentlich
lieber zu den Spice Girls. Nur ein leidiges Problem bleibt den Pinguinen
erspart. Die ewige Frage "Was ziehen wir an?" ist für sie abgehakt. So
sitzen dann alle am Abend friedlich versammelt im wunderschönen Schiff und
warten gespannt bis sich der rote Samtvorhang für La Traviata hebt.
Gesungen werden die Arien von den berühmten drei Tenören. Tatsächlich sind
sie alle da: Carreras, Domingo und selbst Pavarotti mit seinem weißen
Schweißtuch darf nicht fehlen. Der Dirigent wurde mit Michael Krüger, dem
Chef des Hanser Verlags von Quint Buchholz neu besetzt, doch er macht sich
ausgesprochen gut auf seinem Podest mit Taktstock und Pferdeschwanz. Zu
diesem Buch gibt es eine Begleit-CD, natürlich in Form eines Pinguins, das
versteht sich von selbst. Buch und Shape-CD ergänzen sich hier ideal, denn
Elke Heidenreich liest ihren gereimten, rhythmischen Text auf
unnachahmliche Weise und die erwähnten Musikstücke aus "La Traviata"
werden an den passenden Stellen eingeblendet. Mit dem aufgeschlagenen Buch
in der Hand können so die Bilder von Quint Buchholz, die er in seinem ganz
eigenen Stil fein gestrichelt hat, ganz ungestört betrachtet werden. Ein
perfekter Lesegenuß. --Manuela Haselberger
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Im Glück und anderswo. CD.
Robert Gernhardt ist der große gute Geist der deutschsprachigen
humoristischen Dichtung. Um genau zu sein: Er ist der Einzige. Das mag
wohl vor allem an der Leichtigkeit liegen, mit der Gernhardt das Banalste
und Grotesk-Fatalste des Alltagslebens in lustige, hintersinnige,
anspielungsreiche und formvollendete Verse verwandelt: Was als
Gelegenheitsgedicht beginnt, endet oft als lyrische Perle. Der Autor hat
die Antwort auf die Frage nach den Eigenschaften feinster Dichtung selbst
in folgende Form gepresst: "Gut gefühlt/Gut gefügt/Gut gedacht/Gut
gemacht". "In Fahrt" ist ein Kapitel von Gernhardts neuem,
glücklicherweise äußerst dicken Lyrikband Im Glück und anderswo
überschrieben -- dem Ersten seit fünf Jahren. Und "in Fahrt" ist Gernhardt
hier gleich in doppeltem Sinne auch gewesen: Zum einen als Reisender im
Zugabteil, der das "beschissene" Leben am Bahndamm betrachtet ("Vom Zug
aus") oder sich über die ausgeklügelte Bahnhofsarchitektur von Koblenz
amüsiert ("Schöner Schiefer"), zum anderen als Verfasser fulminanter,
treffsicherer Verse, die nicht nur mit dem überraschenden Wechsel von
gereimten und reimlosen Zeilen spielen ("Tübinger Feststellung"), sondern
auch den eigenen Ruhm für Mitsprechlyrik bei möglichen Lesungen
ironisieren ("Und jetzt alle!"). Darüber hinaus gibt Gernhardt Aufschluss
über groteske Familientragödien an Urlaubsorten oder die ehrgeizigen
Missgunstgedanken der vermeintlich trauten Schumacher-Brüder beim Großen
Preis von Canada am 10. Juni 2001. Oder er präsentiert die Fantasien des
lüstern-lyrischen Ichs beim Anblick einer hübschen Kellnerin im
Orient-Restaurant und die Trauer eines alternden Alter Egos angesichts
seiner schönen, aber hinsichtlich des poetischen Erfolgs des von ihr
Beschnittenen leider völlig indifferenten Friseuse ("Marina"). Im
Glück und anderswo hat Gernhardt seinen Gedichtband überschrieben, und
dieses "Anderswo" ist unbedingt in unserer unmittelbaren Gegenwart zu
finden. So nah ist Gernhardt dran am Puls der Zeit. Und so glücklich
müssen wir Leser darüber sein, dass er sie uns so wunderbar komisch
präsentiert. --Thomas Köster
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"Weil du nicht da bist...", 1 Audio-CD
Mascha Kaléko war in den zwanziger Jahren bekannt und sehr beliebt. Mit dem
1933 veröffentlichten Lyrischen Stenogrammheft hatte sie ihren
ersten großen Erfolg mit der bemerkenswerte Auflage von 100.000
Exemplaren. Nach ihrer 18-jährigen Emigration in Amerika, fand sie in
Israel keine Heimat, sondern lebte isoliert. Elke Heidenreich trägt hier
eine gelungene Auswahl von Kaléko-Gedichten vor. Es ist eine Mischung aus
Liebes- und Alltagsgedichten, ergänzt durch Texte aus dem Themenkreis
Heimat, Emigration und Exil und durch wunderbar illusionslose
Gedichte über die Rückkehr und das Alter, die von der Sprecherin
ungekünstelt vorgetragen werden. Abgerundet wird diese Lyriklesung durch
Klavierstücke von Germaine Tailleferre. Mascha Kaléko schrieb über
sich selbst. Ihre Poesie ist schlicht, beschäftigt sich mit der Realität.
Frech und voller Gefühle, mit viel Berliner Witz und Ironie beschreibt sie
die Liebe, den Alltag und die Träume der Berliner in der 20er Jahren. Das
Gedicht Einmal sollte man
trifft herrlich den damals wie
heute gültigen Wunsch, nur einmal auszubrechen. Zu Gast bei feinen
Leuten etwa ist ein schönes Plädoyer der jungen Frau gegen die
Etikette. Unprätentiös und trotzdem extrem zärtlich lässt sie in Weil
du nicht da bist die Sehnsucht eines Liebenden lebendig werden. Für
diese Texte, die jeder versteht, die keine Interpretation benötigen und
dennoch mit ihrem Zauber und ganz eigenem Flair Männer wie Thomas Mann,
Alfred Polgar oder Albert Einstein anrührte, ist Elke Heidenreichs Stimme
wie gemacht! Scharfsinn und Lebensnähe, ohne jegliches Pathos sind die
bestimmenden Elemente ihrer Lesung. Effekthascherei wäre bei dieser Lyrik
auch absolut fehl am Platz! Mascha Kaléko (1907-1975) hatte kein
leichtes Leben: Das Gefühl der Emigration kannte die gebürtige Galizierin,
die nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland kam, von Anfang an.
Verlorenheit, Heimweh, Einsamkeit und Sorgen zeichneten ihren Lebensweg.
Wie groß summieren sich die kleinen Klagen, nicht einmal den Doktor
konntest du bezahlen
An solchem Tag dreht man den Gashahn auf.
heißt es in dem Gedicht Ursache unbekannt . Deutschland, ein
Kindermärchen ist eine 1956 verfasste Hommage an Heinrich Heine und
eine Abrechnung mit den Nazis. Und die Zeilen Ich möcht in dieser
Zeit nicht Herrgott sein sprechen wie immer bei Mascha Kaléko für
sich. Das Gedicht Memento, das sie ahnungsvoll bereits in den 40er
Jahren schrieb, enthält die weisen Zeilen: Vor meinem eignen Tod ist
mir nicht bang. Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. Wie soll ich
leben, wenn sie nicht mehr da sind?... Bedenkt den eigenen Tod, den stirbt
man nur, doch mit dem Tod der andern muss man leben! In Mascha
Kalékos Alltagspoesie steckt sehr viel Kraft. Die Texte sind Ausdruck
eines ganzen, eine echten Menschen, der einen unbequemen Weg ging.
Genauso, wie sie in jungen Jahren kein Blatt vor den Mund genommen hat,
verbietet sie sich im Alter Mitleid (Ältere Dame ohne Anhang).
Ihre Texte sind in jeder Lage authentisch und können unvergleichliche
Hoffnung schenken: Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch
die Sterne und den Mond. Fazit: Elke Heidenreich erinnert mit
ihrer Stimme an eine berühmte und doch unbekannte Lyrikerin.
Das Booklet mit einem ausführlichen Porträt von Gisela Zoch-Westphal ist
bei diesem schönen Hörbuch ein zusätzliches Plus. Lesung mit Musik,
Spieldauer: ca. 70 Minuten, 1 CD. Mit umfangreichem Booklet. --
culture.text
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Gedichte von Goethe bis heute. CD. . Texte, Szenarien, Lieder
Dass Gedichte, dass Lyrik aus vergangenen Zeiten nicht verstaubt und
trocken sein müssen, dass "Goethe und Konsorten" es sogar mit Fernsehen,
Video und Internet aufnehmen können, das beweist Oliver Steller mit seiner
neuen CD. Als einfühlsamer, aber auch gewagter Rezitator und begnadeter
Gitarrist vermittelt er Literatur, haucht ihr neues, frisches Leben ein.
Egal, ob man die 22 Gedichte kennt oder nicht, sie bleiben hängen, prägen
sich ein, verlangen, immer wieder gehört zu werden. Jeder wird seine ganz
persönlichen Gedichte entdecken. Vielleicht das geistreich-ironische "Der
andere Mann" von Kurt Tucholsky oder Goethes Klassiker "Der
Zauberlehrling", vielleicht auch den melancholischen "Herbstag" von Rainer
Maria Rilke. Die gelungene Auswahl der neu zu entdeckenden DichterInnen und
ihrer Texte aus drei Jahrhunderten bietet ohne Zweifel für jeden Geschmack
etwas. Stellers Mischung aus Rezitation und Musik, aus gesprochenem und
gesungenen Wort ist das, was ihn befähigt, die Gedichte zum Leben zu
erwecken. Mit seiner sonoren Stimme brennt er die epochenübergreifenden
Worte in uns ein. Sein Musikstudium in den USA und seine Studioarbeit mit
den Bands von Carlos Santana und Miles Davis brachten ihm das Feeling für
Blues und Jazz. Man darf also gespannt sein auf die nächsten fünf Folgen
dieser neuen CD-Reihe mit Liedern, Szenarien und Texten aus drei
Jahrhunderten. Lyrik-Interpretationen mit Musik, Spieldauer: ca. 53
Minuten. . -- culture.text
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Morgenstern am Abend
Manchmal eröffnen Gedichtlesungen dem Hörer eine neue, bei eigener Lektüre
so nicht erkannte Welt. Klaus Kinski ist dies mit Villons Ich bin so
wild nach Deinem Erdbeermund sicherlich ebenso gelungen wie Bruno Ganz
mit seiner melancholisch-leisen Interpretation der Lyrik Friedrich
Hölderlins. Und auch Gerd Fröbes Vortrag der Texte Christian Morgensterns
im Ortskino von Schliersee in der Nachkriegszeit gehört zu den seltenen
Glücksmomenten dramatischer Lesekunst. Von diesen legendären "Bunten
Abenden" erzählt Fröbe auf Cover und Beiheft der CD Morgenstern am
Abend, die die famosen Lesungen des Schauspielers nun wieder greifbar
macht. Aber eigentlich liest Fröbe Morgensterns Lyrik gar nicht, sondern
ist ganz die darin beschworene, tragikomische Stimme der Natur: Im
Windgespräch ein pures Rauschen, in der Meeresbrandung ganz
wildes Brausen und in Die Flamme ein zunächst züngelndes, dann
loderndes Verbrennen. "Es war", beschreibt Fröbe diese perfekte Symbiose
zwischen Interpret und Dichtung, "als hätte ich gefunden, wonach ich schon
immer insgeheim gesucht hatte, ohne es zu wissen". Wie Fröbe
Morgensterns visuelles Figurengedicht Fisches Nachtgesang in
Schliersee auf Karton aufmalte, hätte man natürlich gern einmal
wiedergesehen (das ZDF besitzt Archivmaterial). So hört man nur das
Kratzen des Filzstifts nebst Fröbes Erläuerungen und muss sich mit den
Fotos auf dem Cover begnügen. Und auch die brillante Darstellung eines
unentschlossenen Weichtiers im Gesprächs einer Hausschnecke mit sich
selbst, dessen sprachliches Kreiseln um eine simple Entscheidung
("Soll i aus meim Hause raus? / Soll i aus meim Hause nit raus?") im
Gedicht die spiralförmige Struktur seines Schneckenhauses imitiert, wäre
überaus sehenswert. Bei Morgenstern am Abend bleibt einem immerhin
der pure Hörgenuss. Und deshalb sollte man sich dabei ganz in sein eigenes
Schneckenhaus verkriechen und dem Fröbe lauschen. Spieldauer: 40 Minuten, 1
CD. --Thomas Köster
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Gesprochene Lieder. CD.
Wenn einer wie Lutz Görner einzig und allein auf die Macht des gesprochenen
Wortes, auf die von Lyrik setzt, dann wird dieses zugegebenermaßen heikle
Unterfangen von Erfolg gekrönt sein. Dann wird es Applaus und Begeisterung
seitens der Zuhörer geben. Lutz Görner ist nicht grundlos der am meisten
geschätzte Rezitator der deutschen Sprache. Er haucht Gedichten neues
Leben ein, und schafft es, dass den Texten Gehör geschenkt wird. Mit Lust
und ohne Vergötterung! Keine Frage: Er hat den Meisterwerken deutscher
Dichtkunst - gereimt oder ungereimt - ein neues, weites Forum verschafft.
Auf der hier vorliegenden CD Gesprochene Lieder
interpretiert Görner populäre Kunstlieder als Rezitation. Er spricht so
bekannte Texte wie das Abendlied von Claudius, Heidenröslein
oder Der König in Thule von Schubert. Bei seiner Rezitation
wird der Meister original von Jone Kaliunaite auf der Bratsche und von
Susanne Kessel am Klavier begleitet. In drei Liedern spielt Bernd
Winterschladen Saxophon. Drei Lieder singt Meike Schmitz in englischer
Sprache. Das Thema der Lieder ist uralt: Liebe, Verlassenwerden,
Melancholie und Hoffnungslosigkeit. Doch die Kraft, die in den Texten
steckt, kann der geniale Rezitator hervorholen. Unendlich zart
beispielsweise klingt Du bist wie eine Blume (Schubert);
wunderschön auch Eichendorffs Das zerbrochene Ringlein. In dem
Schumann-Lied Zwielicht ergänzt das Saxophon vollkommen stimmig
den Vortrag. Hoffnungslosigkeit, Misstrauen, Verzweiflung sind zum Greifen
nahe. Mit Die Lorelei und In mein gar zu dunkles
Leben präsentiert er zwei Texte des Dichters, der für seine
Entwicklung eine entscheidenden Rolle spielte. Denn es war ein
Heine-Programm, Die Menschen sind keine Esel, das ihn zum
gefragten Rezitator machte. Beim Mailied von Mozart hört man
nur noch eins: Frische, Lebensenergie, Kraft und Liebe. Lutz Görner
ist nicht von ungefähr ein begnadeter Rezitator. Neben seinem Studium in
Köln besuchte er die Schauspielschule. Anschließend lernte er das Theater
sozusagen von der Pieke auf kennen: er war u.a. Bühnenarbeiter am
Gärtnerplatz in München, Requisiteur an der Kölner Oper, Regieassistent
von Boy Gobert und Jürgen Flimm und am Theater der Jugend in München als
Regisseur und Schauspieler. Als er als gefragter Rezitator durch die Lande
tourte, absolvierte er noch eine Gesangsausbildung. Seit 1992 leitet er
sein eigenes Reziteater in Köln. Lutz Görner kann mit dem
geschriebenen Wort und seiner Stimme umgehen. Er ist ein Profi. Es ist ein
Begnügen der besonderen Art, ihn zu hören. Rezitation mit Musik,
Spieldauer: ca. 56 Minuten, 1 CD. -- culture.text
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Von der Gurgel bis zur Zehe. 2 CDs.
Das Werk von Kurt Schwitters (1887 bis 1948) kann noch heute als
avantgardistisch bezeichnet werden. Um seine Person ranken sich
zahlreiche Anekdoten; wie er sich selbst gesehen hat, kann man in den
Daten aus meinem Leben im beigelegten Booklet lesen.
Schwitters, der Allround-Künstler, war Maler, Schriftsteller, Bildhauer,
Werbetexter, er schrieb Bühnentexte und fungierte als Herausgeber der
Zeitschrift Merz (1923 bis 1932). Das
MERZgesamtkunstwerk war seine Utopie. Seit 1919 beschäftigte
er sich intensiv mit diesem künstlerischen Programm, in dem die Grenzen
der Künste - Poesie, Malerei, Musik - aufgehoben werden und somit ein
neues künstlerisches Ganzes entsteht. Die Technik dazu ist die Collage,
die vorgegebenes Material, im Falle der Poesie Sätze der
unterschiedlichsten Provenienz mit oder ohne Abänderung zusammenfügt.
Kurt Schwitters selbst war ein begnadeter Vortragskünstler. Und in der
Tat sind viele seiner Texte zum Hören geschrieben. In dieser Anthologie
finden sich neben seiner berühmten Lautpoesie (An Anna Blume,
Ursonate) zahlreiche Humoresken. Die Ursonate,
1932 veröffentlicht, ist Lautmalerei pur. Frei erfundene Lautverbindungen
werden sinnentleert in vier Sätzen vorgetragen. Die Bedeutung der Sprache
tritt dabei völlig hinter die Klangqualität zurück. Ganze dreißig Minuten
lang lässt Bernd Rauschenbach dieses Spiel mit dem Alphabet, mit den
Buchstaben ertönen. Die Lust am Laut, an seinem Klang ist die Basis
dieser Collage. Wiederholungen, Umkehrungen und syntaktische Brechungen
sind die Technik. Eine beachtliche Leistung vom Schwitters-Kenner, der
nicht nur die artikulatorische Herausforderung vortrefflich meistert. Am
Ende hört man nur noch Laute, erkennt Rhythmus und Melodie. Das Wort mit
Sinn wurde durch den Klang der Buchstaben-verbindung ersetzt. Keine
Frage: Mit der Ursonate hat der MERZkünstler die Grenze zur
Musik überschritten. Schwitters' berühmtestes Werk ist das Gedicht
An Anna Blume von 1919. Das erste MERZgedicht ist eine Art
Parodie auf die Liebeslyrik. Der Vorläufer der konkreten Poesie arbeitet
hier mit romantischen Gefühlen, die in einer Mischung aus
umgangssprachlichen Versatzstücken, syntaktischen Brechungen und
sprachlichen Klischees dargeboten werden. An Anna Blume
machte Schwitters und seine MERZkunst populär. Das Gedicht ist ein
Bestseller! Neben der Ursonate trägt Rauschenbach
insgesamt 35 Texte - Poesie und Prosa aus den Jahren 1920 bis 1946 - vor.
Es sind absurde Anti-Spießertexte, die er in ihrem Unsinncharakter
inszeniert. Highlights sind Der Schürm, Die
Raddadistenmaschine und Kleine Geschichte aus der
Untergrundbahn. Bernd Rauschenbach ist Autor und Rezitator. Er
studierte Germanistik und Bibliotheks- wissenschaften. Er ist im Vorstand
der Arno-Schmidt-Stiftung. Als Schwitters-Kenner trifft er hier den Ton,
den diese Prosa und Lyrik brauchen. Er hält die Balance zwischen Nonsense
und Kunst. Lesung, Spieldauer: ca.95 Minuten, 2 CD. Booklet mit dem
Text Daten aus meinem Leben von Kurt Schwitters. --
culture.text
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Liebeslieder. CD. . Lust und Liebesgedichte
Warum hört man eigentlich so selten Gedichte? Wer geht heute schon in eine
Lesung, in der Lyrik rezitiert wird? Sicher, Rezitatoren wie Lutz Görner
haben ihre Fangemeinde -- und das auch zu Recht -- aber es ist schon ein
überschaubares und sehr "spezielles" Publikum. Und ansonsten hört und
liest man Gedichte in der Schule, vielleicht hat man im Regal eine
Sammelausgabe von den schönsten Liebesgedichten stehen oder man schreibt
schon mal 'ne Gedicht-Postkarte. Und das war's. Vielleicht ist es da gar
nicht schlecht, sich schöne (und bekannte) Liebesgedichte auf CD
anzuhören. Und zwar nicht etwa als trocken gesprochenes Wort, sondern als
Liebeslieder vertont. Denn genau das hat der Gitarrist, Sänger und
Rezitator Oliver Steller meist überzeugend gemacht. Als Perkussionisten
hat er sich den renommierten in Deutschland lebenden Inder Ramesh Shotan
zur Seite geholt, Frank Schulte war für die elektronische Seite zuständig
und Steller selbst komponiert, spielt Gitarre und singt. Manchmal klingt
er dabei ein ganz kleines bisschen wie Xavier Naidoo. Die Musik allerdings
ist nicht nur deutscher Soul-Schlager, sondern mal Blues, mal
Singer/Songwriter, mal finden sich Kunstliedelemente, mal indische
Rhythmen und mal kleine elektronische Anflüge. Ein Lied, das mir
unbekannte "Der Vogel Pihi" trägt Steller gar auf der Melodie von
"Summertime" vor. Als Dichterinnen und Dichter treten Erich Fried,
Heinrich Heine, Robert Gernhardt, Else Lasker-Schüler, Goethe und Hofmann
von Hofmannswaldau auf. Nur manchmal erscheinen die akustischen
Sample-Schmankerl etwas arg vordergründig, wenn zum Beispiel zu "Am
Strande" Meeresrauschen im Hintergrund säuselt oder bei einem
Gernhardt-Gedicht eine Frauenstimme durchgehend rumkichert. Trotzdem -- im
Ganzen eine sehr schöne CD. Und er klingt auch nicht wirklich nach Xavier
Naidoo. --Anja Buchmann
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