:: Eine menschliche Sau. Neue Bühnennummern

Eine menschliche Sau. Neue Bühnennummern

Am besten ist Gerhard Polt zur Weihnachtszeit. Der Sketch, in dem ein von ihm gespielter Erwachsener angesichts der durch seinen Sprössling getätigten Verwechselung von „Nikolausi“ und „Osterhasi“ schier in Verzweiflung -- und gänzlich aus der Fassung -- gerät, gehört längst zum Klassiker des Genres. Auf Eine menschliche Sau gibt sich Polt besinnlicher. Vom Rundfunk gefragt, was denn sein schönstes Weihnachtsfest gewesen sei, gibt Polts sichtlich gerührte Figur die Geschichte von der Rückkehr des Vaters aus der Kriegsgefangenschaft zum besten. Unter dem Weihnachtsbaum habe der Vater mit Zinnsoldaten die Schlacht von Verdun nachstellen wollen, „aber so, dass nicht immer die Franzosen gewinnen“. Der Bub findet mehr Gefallen daran, das Bataillon der Husareneiter mit den Weihnachtskerzen zu einer Bleikugel zusammenzuschmelzen. Beim Versuch, ihn sauber zu verprügeln, fällt der Vater aus dem Fenster „Und dann haben sie meinen Vater mit dem Krankenwagen ins Spital gebracht, weil er Rippenbrüche gehabt hat und Quetschungen“, heißt es bei Polt. „Und mein Vater ist erst nach Heilig Dreikönige wiedergekommen. Das war das schönste Weihnachtsfest in meinem Leben.“

Ansonsten schwadroniert und grantelt sich Polt wieder in altbekannter -- und altbekannt grandioser -- Manier durch sein Programm. Einmal vermittelt er zwei Ukrainer an einen Nachbarn, um sich anschließend über dessen lukrativen Menschenhandel zu beschweren, ein andermal mimt er einen Gammelfleischfabrikanten mit Kontakten in die Ukraine („An meinem Wildbret ist noch keiner gestorben! Und wenn er dran verstorben sein sollte, dann muss er vorher schon was gehabt haben!“). Oder er geriert sich aus konservativer Kulturkritik als Retter des Abendlands -- etwa da, wo er die Fastfood-Kultur deutscher Fußgängerzonen unter die Lupe nimmt („Was die Leute darin heute fressen! Freiwillig! Da wird doch der Mensch zum Container!“). Wie immer bleibt einem das Lachen ob der überzeichneten Figuren im Halse stecken. Denn immer erkennt man, dass hinter der Fassade der Karikatur ein Mensch steckt, den man so oder so schon einmal hat erleben müssen. Bevor einem aber das Lachen im Halse stecken bleibt, hat man erst einmal herzlich lachen müssen. Eine menschliche Sau sind 72:19 Minuten blendende Unterhaltung eines der besten Kabarettisten, die wir haben.--Stefan Kellerer

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:: Gefühltes Wissen. CD

Gefühltes Wissen. CD

Der 80-jährige Erinnerungsdesigner, ehemals Vorleser, Autor und Kleinkünstler, erinnert sich an seine Vorstellung vom 24. September 2004. Aus dieser Zeit stammt die Vorstellung vom „gefühlten Wissen“. Der Begriff beschreibt ganz einfach die gängige Tatsache, dass jeder ob der Fülle der Informationen nur noch das Gefühl hat, er würde etwas wissen. Darauf aufbauend allerdings kann man wieder Meinung machen und mitreden.

Horst Evers zieht hier alle Register, er liest skurrile Geschichten, singt und rezitiert Gedichte. Das Thema, wie viel Wissen ein Mensch verkraften kann, wie viel Wissen nützlich ist, arbeitet er gleich am Anfang unschlagbar heraus. Das Auto, das fährt, mit dem man recht zufrieden ist, der Zustand dieses Autos wird vom Fachmann als katastrophal beschrieben. Was jetzt? Unsicherheit, Verwirrung und noch mehr. Bei Evers eröffnet der Blick auf unseren bekannten Alltag manch unerwarteten Einblick und neue Erkenntnis: beispielsweise, dass es nicht immer ein Segen ist, wenn man, angetrunken und in eigenartiger Stimmung, mit Gott und der Welt in Kontakt treten, Freundschaften mit einer E-Mail aufkündigen und seltsame Einkäufe tätigen kann …

Evers fährt mit der Bahn zu seinen Vorstellungen, die in Rheine oder Stade liegen mögen. Und gerade in der Provinz erlebt er Szenen wie das Spektakel eines „wahren Helden“, der seiner Tochter und der Welt zeigt, dass man ein Vorbild sein muss, oder er findet aufgrund einer Verwechslung eine Zukunft als Heinz -- Heinz ist offensichtlich aus der bürgerlichen Vorstadtidylle geflohen, und nun tritt Horst mühelos an dessen Stelle.

Fazit: Gefühltes Wissen ist lustig, skurril, schelmisch und erstklassig komisch! Horst Evers zu hören, ist ein Genuss!

Comedy, Spieldauer: ca. 74 Minuten, 1 CD. Mit Booklet. Aufnahme vom Mehringhoftheater in Berlin, September 2004. -- culture.text

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:: Ich bin's Nuhr. CD

Ich bin's Nuhr. CD

Der Fall Dieter Nuhr würde sich trefflich dazu eignen, um die ewige Frage zum Unterschied von Kabarett und Comedy zu erörtern. Aber am Ende stünde vielleicht doch nuhr ein entschiedenes Sowohl-als-auch. Der Mann hat einfach alles drauf: leise, hinterhältige, gesellschaftskritische Zwischentöne, die eher ans Kabarett erinnern, aber auch kalauernde Brüller zu Comedy-Dauerbrennerthemen wie dem ewigen Mann-Frau-Konflikt. Eins aber ist sicher: Dieter Nuhr ist einer der besten seines Fachs, das beweist auch sein neuestes Programm ich bin's nuhr -- live aufgenommen im Berliner Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“ vor einem offenkundig sehr belustigtem Publikum. Geboten werden fast 78 Minuten beste Unterhaltung, inklusive eines „optischen Kunststücks“ in der Zugabe („Ich finde das schön, wenn man auf der CD auch was Optisches hat...“). Der eine oder andere hätte vielleicht lieber Nuhr pur, ohne Lacher im Hintergrund, aber das ist anderseits eine seiner Stärken: mit dem Publikum spielen und spontan zu reagieren.

Das Programm fängt schon im Booklet an bzw. geht dort weiter: „Da will ich das Meinige tun und wenigstens ein anständiges Booklet beilegen, damit sie sich einreden können, die Investition hätte sich gelohnt“. Es folgen 18 Seiten mit vielen Bildern vom Künstler und lustigen Texten. Sogar in der üblichen Rubrik Danksagung hört Herr Nuhr immer noch nicht auf, witzig zu sein -- das nenn ich Dienst am Konsumenten! Und dem kann auch gesagt sein: die Investition lohnt sich in diesem Fall wirklich.

Spieldauer: ca. 78 Minuten, 1 CD, Live-Aufnahme --Christian Stahl

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:: Täglich frisch (update). CD . Wahl 2005. Noch mit Edi und Münte

Täglich frisch (update). CD . Wahl 2005. Noch mit Edi und Münte

Satire oder besser Realsatire vom Feinsten. Genial-bissig kommentiert Urban Priol, der begnadete Kabarettist, in seinem neuen Soloprogramm. „Täglich frisch“ die Lage. Nichts und niemand bleibt vor seiner Lästerzunge verschont. Seine Scharfsicht durchleuchtet alles, entdeckt überall, gelinde gesagt Unstimmigkeiten und stellt diese an den Pranger. Und wie! In rasendem Tempo deckt er Politik, Werbung, ein bisschen „Männer und Frauen“ (Frauen wollen zu Ikea und können bei der Scheidung plötzlich sehr gut mit der finanziellen Überlegenheit ihrer Männer umgehen) und Mütter ab.

„Für wie blöd wollen die uns noch alle halten?“ Diese Frage füllt der wortgewaltige Kabarettist 75 Minuten lang mit Leben. Die unfähigen Politiker oder die Werbung - alle wollen uns verarschen. Wer es bislang nicht wusste, Priol macht es ihm klar. Bush, der Kanzel, Stoiber, Blüm, der Papst, Sanierer, Anlageberater, Finanzbeamte und seine Mutter - alle kriegen ihr Fett weg. Urban Priol beherrscht das Parodieren meisterhaft! Er ist jedoch nicht einseitig oder gar blind. Der dumme, verführbare einfache Mann, der sich im Stammtisch am lautesten artikuliert, und der mündige Verbraucher kommen auch nicht ungeschoren davon. Und natürlich nicht die Bürokratie mit Baubehörde und Finanzamt, die wahren Sozialhilfeempfänger, die echten Kriminellen wie Siemens, Müller usw. Priols giftiger Witz macht nicht vor den Herren Esser und Zwickel halt. Im Rentendebakel schlägt er eine geheimnisvolle, bitter-böse Allianz zwischen Norbert Blüm („Die Renten sind sicher“) und Iraks Außenminister (Don't believe them. There are no american troups in the land!“) vor.

Highlights der satirisch-parodistischen Show: Sein Beitrag zum vereinten Europa. Beispiel italienische Fluglotsen. Priols Darbietung des Sprachgewirrs in einem Tower jenseits der Alpen ist einfach fantastisch, großartig, brillant. Und das Ende mit seiner apokalyptischen Zukunftsvision. Lässig kommen hier alle wieder zusammen: Weil niemand den Debattierclub, das Parlament, bei ebay mitkaufen möchte, muss es weitergehen. Bush und Blair zetteln wieder mal einen Krieg an, der Weltuntergang steht bevor, Daniel Kübelböck singt ein letztes Mal, die eigene Mutter verrät Bin Laden, der Papst mach sich auf den Weg und die Bauaufsicht verhindert den Notausgang.

Fazit: Nicht umsonst erhielt Urban Priol zahlreiche Preise, der letzte war der „Bayerische Kabarettpreis“ 2003“, der erste 1986 „Das Passauer Scharfrichterbeil“. Der Kabarettist bietet brillante, fein abgestimmte Unterhaltung: politisch-tagesaktueller Spott, messerscharf analysiert und sprachlich überwältigend dargeboten. Absolut empfehlenswert.

Kabarett, O-Ton, Spieldauer: ca. 75 Minuten, 1 CD. Live -Mitschnitt aus dem Kabarett im Hofgarten in Aschaffenburg. -- culture.text

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:: Herrenabend. CD . Live aus dem Pantheon, Bonn

Herrenabend. CD . Live aus dem Pantheon, Bonn

Herrenabend 2000 -- Damen durchaus erwünscht... und wer meint, dass die Herren auf dieser CD besonders gut wegkommen, der hat sich getäuscht. Herr Horst Schroth ist nämlich nicht dämlich und verherrlicht das männliche Geschlecht nicht gerade übermäßig, obwohl es natürlich auch ein paar Pluspunkte für die Herrchen zu verbuchen gibt, die nicht unerwähnt bleiben. Zum Beispiel lieben Männer Hunde, denn diese freuen sich um so mehr, je später ihr "Chef" nach Hause kommt.

Es darf gelacht werden, auf beiden Seiten, wenn Schroth seine Beziehungsthemen dem weiblich/männlich gemischten Publikum um die Ohren schleudert. Anscheinend sind manche Beziehungsproblematiken doch universell gleich, Humor und Verständnis können möglicherweise gute Ratgeber sein, um einen Teil der "Schwere" zu nehmen. Unerwähnt bleibt auch nicht die "Mundfaulheit der Männer", die doch universell ist, oder? Es erleichtert die Frauen erheblich, zu wissen, dass es anderen Frauen in ihren Beziehungen nicht besser geht.

"Schatz, bin ich zu dick?" Wie sollten Männer am besten mit dieser Frage umgehen? Schröthchen antwortet! Wenn Sie als Pärchen oder als Single diese CD anhören, werden Sie wahrscheinlich über manche Geschichten diskutieren -- oder auch nicht, denn nichts ist wirklich tierisch ernst zu nehmen -- aber einen unterhaltsamen, vergnüglichen Damen-/Herrenabend haben Sie garantiert!

Die CD wurde am 15./16. Dezember 1999 im Pantheon in Bonn aufgenommen und Horst Schroth selbst moderiert erklärend einzelne Szenen. Ein professioneller Alleinunterhalter, der sein Publikum in Stimmung bringt, indem er die merkwürdigen Eigenarten von Männlein und Weiblein auf der Bühne witzig und geistreich vorträgt. Man/n höre und staune! CD:1, Spieldauer: 68,48 Minuten
--Claudia Berg

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:: Katerfrühstück CD . Die letzten Geheimnisse

Katerfrühstück CD . Die letzten Geheimnisse

In seinem neuen Programm spielt Horst Schroth Moritz Schneider, einen erfolgreichen, geschiedenen Arzt , jenseits der fünfzig. Auf dem Weg zu seinem alten Freund Franky ist Moritz dem Tod um ein Haar entkommen: Genauer gesagt, nur der Blick auf den Hintern einer Hübschen rettete ihn vor dem, mit Sicherheit tödlichen Zusammenprall mit einem Ford Fiesta. Soweit die Rahmenhandlung, die verständlicherweise Fragen über Fragen bei dem Mann im zweiten Frühling auslöst.

Zum Beispiel die: “Wie erzähle ich die ganze Sache Ricarda, meiner Beziehung? Denn jeder Mann weiß, dass Frauen über einen für Männer hochgefährlichen Lückendetektor verfügen. Und deshalb die Unfall-Szene samt der jungen, attraktiven Frau schnell rekonstruiert wäre. Horst Schroth, der kleine Böse unter den Kabarettisten, bewegt sich souverän von dieser Geschichte weg und stellt weitergehende, existentielle Fragen. Im „Katerfrühstück“ gibt Schroth wie in seinem erfolgreichen „Herrenabend“-Programm erschöpfend Auskunft über den Mann an sich und seine Beziehung zu Frauen und Hunden. Einige Dinge scheinen festzustehen, sind unverrückbar: Erstens lieben Männer keine Fragen, zweitens gehen sie nicht - so wie alle Frauen - gerne einkaufen und drittens wohnen sie. Das Wohnen allerdings scheint eines der letzten Geheimnisse zu sein. Oder wussten Sie von der Vorliebe der Männer für das Wohnen, welches wohl nichts anderes als ein Synonym für rumsitzen und nichts tun zu sein scheint.

Was wäre das Thema Frauen und Männer ohne das standardmäßig auseinanderklaffende Fremd- und Eigenbild. Dass Männer sich immer für einen Adonis halten, liegt einfach daran, dass sie sich mit zwanzig in den Spiegel schauen. Danach nie wieder! Frauen hingegen sind notorisch unzufrieden mit ihrem Äußeren, legen sich unters Messer, lassen das ganze Programm über sich ergehen und verlieren dann ihren Schutzengel. Warum? Ganz einfach, weil er sie nicht mehr wiedererkannte. Diesen bitterbösen Hieb auf die Frauen verschärft Schroth noch. Denn wirklich interessieren tun sich Männer nicht für Frisuren oder ähnlich künstliche Verschönerungen. Nein, sie sind nur auf den Arsch scharf! Und sie wissen auch ganz genau, „dass eine Frau so alt ist, wie sie vor dem Frühstück aussieht. Oder wie lange sie braucht, bis sie vor dem Frühstück erscheint.“

Schroth verteilt im „Katerfrühstück“ die Hiebe ziemlich gerecht: Die etwas minderbemittelten Männer mit ihrer Aussprechsperre kriegen ihr Fett genauso wie die notorisch nölenden und alles wissen wollenden Frauen. Hunde (der Kabarettist hat selbst zwei) schneiden in seiner Beurteilung als Partner sehr gut ab. Mit viel Effekt und manchen Übertreibungen präsentiert der Schroth eine kluge und vergnügliche Analyse der Geschichte zwischen Mann und Frau. Witzig, frech, bitterböse treffend und unterhaltend! Live -Mitschnitt aus dem Theater „Die Wühlmäuse“ in Berlin. Kabarett, O-Ton, Spieldauer: ca. 75 Minuten, 1 CD. -- culture.text

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:: Abfent, Abfent...! CD.

Abfent, Abfent...! CD.

Rechtzeitig zur Weihnachtszeit präsentiert der größte lebende bayerische Satiriker eine Sammlung neuer und bekannter Stücke rund um die "Stade Zeit". Wenn vorweihnachtlich die Kassen zu klingeln beginnen, versuchen ja heutzutage selbst Heavy-Rocker und Gangster-Rapper mit Glockenklang verzierten Schnulzen aus dem allgemeinen Besinnungstaumel Kapital zu schlagen. Bei Polt ist der Blickwinkel auf die stillen Tage natürlich ein ganz anderer: Mit beißender Ironie seziert er das rituelle Absolvieren vorweihnachtlichen Pflichtprogramms in der großstädtischen Kleinfamilie ("Sankt Nikolaus"), beobachtet Radioreporter auf brauchtumsmäßiger Feldforschung beim Gschwendtner-Bauern (das großartige "Advent") und die von vorweihnachtlicher Nächstenliebe ergriffene Familie Böhm auf der Suche nach einem "Einsamen", der bei ihnen den Heiligen Abend verbringen möchte (der aber natürlich "koa Ausländer, Raucher, Jugendlicher oder Tatterer" sein darf).

Polt-Fans könnten zunächst enttäuscht sein, dass ein Teil der 14 Stücke (wenn auch in anderen Versionen) schon von früheren Polt-Platten oder aus der Fernsehserie Fast wia im richtigen Leben bekannt sind -- aber die neuen Stücke rechtfertigen die Anschaffung dann doch. Ob Poltist oder nicht -- Abfent, Abfent...! ist als mentale Vorbereitung aufs Fest der Feste ideal und kann, wenn einen durch eine Überdosis Plätzchen, Glühwein oder weihnachtlicher Kaufhausmusik der Adventskoller packt, durchaus befreiend wirken. --Hanno Güntsch

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:: Die ganze Welt und überhaupt. CD.

Die ganze Welt und überhaupt. CD.

"Der Einmann-Stammtisch" hieß eines der Soloprogramme des Tiroler Kabarettisten Otto Gründmandl. Auf dieser CD setzt sich Grünmandl nun mit seinem alten Weggefährten Gerhard Polt sozusagen zu einem Zweimann-Stammtisch zusammen, an dem nach Herzenslust über Die ganze Welt und überhaupt schwadroniert wird: über die eingesparte Zeit durch nicht gemachte Urlaubsreisen, die Vorzüge der Standpunktlosigkeit, über die Möglichkeit, die Zeit nach noch zu trinkenden Bieren einzuteilen oder Antiquitäten-Geruchssprays fürs Rokoko-Schlafzimmer.

Von 1980 bis 1984 durften Polt und Grünmandl im Bayerischen Rundfunk improvisierte Gespräche führen, in welchen die alltäglichen Absurditäten ebenso hintersinnig wie witzig-skurill erörtert wurden. Die CD versammelt eine Auswahl der besten dieser anarchistischen Funkgeschichten, die unwillkürlich an den höheren Blödsinn der genialen Dialoge zwischen Karl Valentin und Liesl Karlstadt erinnern. Kleine musikalische Zwischenspiele liefern die Biermösl Blosn -- das Sahnehäubchen bei dieser Produktion, die eine wunderbare Erinnerung ist an den unvergleichlichen, im Jahr 2000 verstorbenen Otto Grünmandl. --Christian Stahl

Höhepunkte aus 16 halbstündigen Gesprächen, 1 CD, Spieldauer ca. 74 Minuten.

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:: Das Auge isst man mit, 1 Audio-CD

Das Auge isst man mit, 1 Audio-CD

Essen und "sattes Typenkabarett"! Wenn im Magen Semmelknödel und Schaschlik aufeinander treffen, kommen sie recht gut miteinander aus. Doch wenn Trennkost hinzu kommt, kann zumindest der Semmelknödel nicht immer Contenance wahren. "Das Auge isst man mit", der Titel des neuen Solo-Programms von Helmut Schleicht spannt einen großen Bogen rund ums Essen und seine vielschichtigen Auswirkungen. Neben den Speisen kommen auch höchst interessante Typen zu Wort. Beispielsweise der Aristokrat, der hungert, um sich von den Schmerbäuchen der Proletarier abzugrenzen. Der weiß, dass es Engels war, der die Bierzelt-Bulimie hervorgebracht hat. Und der bedauert, dass die S- Bahn ein Massenverkehrsmittel geworden ist. Oder der selbstbewusste, stille Zuschauer, der Wein trinkt, weil Wein und Lachen nicht zusammen geht. Zudem hat Rotwein den Vorteil, ein ausgesprochenes Statussymbol zu sein.

In dem Moment, wo Schleich sich in den Metzger verwandelt, der Werbung für seine Homepage macht, hat man keine Chance: Man muss lachen. Highlight und unvergesslich: das Stück "Körperhasser". Schleich arbeitet mit allem, was ihm zu Verfügung steht: Die Wut und der Hass auf ihn, auf den Körper, der Gicht hat und ihm das Leben vergällt - wie der Kabarettist das mit Stimm- und Körpergewalt darstellt, ist beeindruckend.

Das Gesellschaftspanorama, das Schleich präsentiert, ist witzig und pikant. Seine Komik und sein schauspielerisches Talent sind beachtenswert. Kabarett, Spieldauer: ca. 68 Minuten, 1 CD.

-- culture.text

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:: Drink & Drive with Dylan Thomas. CD.

Drink & Drive with Dylan Thomas. CD.

Als der walisische Dichter Dylan Thomas 1953 während einer Vortragsreise kaum 40-jährig in New York stirbt, gilt er bereits als einer der großen genialen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, wird als der walisische Rimbaud gefeiert. Seine Gedichte betören durch die Schönheit der Sprache, verstören manches Mal durch ihre Komplexität. Leben und Liebe, Schmerz, Tod, karge Landschaften sind immer wiederkehrende Themen seiner assoziativen Poesie.

Der Kölner Musiker Michael Hansonis ist Dylan-Thomas-Fan, und seinen Liedern merkt man an, dass sich hier zwei Seelenverwandte getroffen haben. Mit seiner warmen, unprätentiösen Stimme verleiht er den acht vertonten Gedichten kongenial Leben und Wirkung. Wie schreibt Elke Heidenreich im Booklet zur CD: "Was für komplizierte, assoziative Texte -- und wie glasklar werden sie, wenn Hansonis sie singt! "You shall not despair, du darfst nicht verzweifeln, weil ich dich verlassen habe... Man wird dich wieder zärtlich halten..." Liebevoller, schöner wird das Ende einer Liebe nur selten besungen. [...] Ich lese die Gedichte von Dylan Thomas und bin glücklich darüber, dass es Menschen gibt, die so schreiben, ich höre Hansonis und bin glücklich darüber, dass es Menschen gibt, die so komponieren, so singen können, damit wir andern das Leben aushalten."

Recht hat sie -- Hansonis kann durchaus in einer Reihe genannt werden mit Lou Reed oder Nick Cave. Hoch melodisch und entspannt ist Drink & Drive with Dylan Thomas beste Musik für die Stunden vor Anbruch des Tages. --Kathrin Rüstig

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